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NWZonline.de Region Delmenhorst

„Wir möchten hier nicht ausgenommen werden“

12.06.2018

Delmenhorst Er habe ja gar nichts gegen Fernwärme, nein, ganz im Gegenteil: „Ich finde das toll!“ Aber er wolle eben nicht ausgenommen werden. Volker Speer bewohnt seit sieben Jahren ein Reihenhaus in der Neubausiedlung auf der ehemaligen Gänsewiese des Nordwolle-Areals in Delmenhorst – und ist dadurch abhängig von den Fernwärmepreisen des Oldenburger Energieversorgers EWE.

Die Häuser auf dem Areal werden allesamt mit Fernwärme aus einem anliegenden Blockheizkraftwerk für Heizung und Warmwasser beliefert. Eine Alternative gibt es laut Speer nicht, denn: Zum einen sei im entsprechenden Bebauungsplan festgesetzt, dass aus Umweltschutzgründen „die festen und fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Holz für Heizzwecke nicht verwendet werden“ dürfen. Zum anderen wird in den einzelnen Grundbüchern darauf hingewiesen, dass Eigentümer es zu unterlassen hätten, Anlagen zur Wärmeerzeugung zu errichten beziehungsweise zu betreiben. Vielmehr habe die EWE „Heizwärme- und Warmwasserlieferungsrecht“.

In der Folge heißt das, Speer und seine Nachbarn können weder auf Öl- oder Gasheizung umsteigen noch dürfen sie einen Kaminofen einbauen. Das Problem dabei: Die EWE hat dadurch ein Monopol in der Nordwolle. Und das findet Volker Speer nicht hinnehmbar. Zufällig hat er herausgefunden, dass er für Fernwärme der Stadtwerke Achim (Landkreis Verden) bei gleichem Verbrauch einen wesentlich geringeren Preis zahlen würde als für die EWE-Fernwärme auf der Nordwolle. Gleiches gilt für die Fernwärmepreise der Stadtwerke Osnabrück, die Speer auf seinen jährlichen Verbrauch ausgerechnet hat.

Was Speer dabei besonders stört: „Die Jahresabrechnung der EWE ist völlig undurchsichtig. Man muss sich richtig einarbeiten. Ich habe keine Möglichkeit, das mit anderen Anbietern – etwa Stadtwerke Achim – zu vergleichen.“ Und wenn man die Preise nicht vergleichen könne, dann habe man eben das Gefühl, man werde veräppelt. Schließlich habe man als Verbraucher in diesem Fall auch keine Chance, den Anbieter zu wechseln. „Wir unterliegen hier dem Monopolverhalten der EWE“, bedauert Speer.

Doch es besteht Hoffnung für die Bewohner der Expo-Häuser in der Nordwolle: Nach amtlichen Kontrollen bei Fernwärmeanbietern durch die niedersächsische Landeskartellbehörde hat sich im Februar die EWE Vertriebs GmbH zu Preissenkungen in vier Wärmegebieten verpflichtet – dazu zählt auch das Nordwolle-Areal. Die rückwirkende Preisanpassung dort „folgt in absehbarer Zeit“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage der NWZ. Wie genau diese Anpassung aussieht, bleibt unklar: „Die Höhe der Preisanpassungen erfolgt nach Vorgabe des Kartellamtes für jedes Fernwärmegebiet individuell“.

Volker Speer freut sich über diese Entscheidung. Doch er wünscht sich darüber hinaus, „dass nicht nur alle paar Jahre Stichproben gemacht werden. Die Monopolisten müssten verpflichtend jährlich ihre Preise beim Kartellamt einreichen, damit diese von einer unabhängigen Stelle kontrolliert werden“. Außerdem sollte man das Kaminverbot überdenken: „Damals waren das Dreckschleudern, aber das hat sich doch inzwischen geändert“, findet Speer.

Lesen Sie auch: Hat EWE zu viel für Fernwärme kassiert?

Nathalie Meng
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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