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NWZonline.de Region Delmenhorst

20 Jahre Kunst des Tanzens

06.07.2019

Delmenhorst 20 Jahre gibt es „Art of Dance“, das Tanzstudio in Delmenhorst schon. 250 Tanzschüler finden sich jede Woche in den Räumen ein. Inhaberin Sandra Brüning hat sich damit vor zwei Jahrzehnten einen Traum erfüllt. Wie schwer die Anfänge waren, und wo das Studio heute steht, erzählt die 44-jährige Tanzpädagogin im NWZ-Interview.

Sandra Brüning war schon erwachsen, als sie selbst mit dem Tanzen anfing. „Ich habe mit Stepptanz gestartet. Das ist ja eher ein Musikinstrument, was man an den Füßen lernt, als ein Tanz“, sagt sie. Da war sie schon 19 Jahre alt. Und weil ihr das Steppen so viel Spaß machte und sie gerade mit der Schule fertig war, entschloss sie sich, eine Ausbildung zur Tanzpädagogin zu machen. „In Kiel gab es die Möglichkeit, ohne Vorkenntnisse eine Ausbildung in Gymnastik und Tanz zu machen“, weiß sie noch.

Kein Klischee

Mit ihrem Werdegang durchbricht Brüning ein Klischee. Wer die Tanz-Laufbahn einschlagen möchte, der muss früh damit anfangen, sehr früh – diese Bild hielt und hält sich noch hartnäckig in den Köpfen der Menschen. „Es ist die Frage, was man erreichen will“, sagt Brüning dazu. Sie selbst brachte eigentlich auch keine optimalen körperlichen Voraussetzungen mit. Generell sei zwar gerade im Ballett der Anspruch auf Ästhetik sehr hoch, aber Gesundheit gehe immer vor.

Vorbei wären die Zeiten, in denen die Ballettschüler aus Demut noch vor dem Lehrer knicksen und in denen Stöcke zum Dehnen des Körpers genutzt wurden. Das harte Business gibt es in Spitzenliegen, beim Hobby sind aber weichere Töne angesagt. Mütter, die ihr Kind zum Ballett anmelden wollen und mit dem Satz „Mein Kind ist aber schon zehn“ eine Absage befürchten, die kann Brüning also beruhigen. Neben der Stilrichtung Ballett unterrichtet die 44-Jährige auch immer noch Stepptanz sowie Jazz-Dance und Modern-Dance. Hip Hop Kurse gibt es auch. Auf 28 Kurse verteilt sich das Angebot, dann kommen noch Yogakurse hinzu. Bei den Tanzrichtungen sei das etwas lockerer als beim Ballett.

Offenheit und das Vermeiden von Konkurrenzdruck, das seien für Brüning die Eckpfeiler bei der Tanzpädagogik. „Das war mir damals schon bei der Namensgebung des Studios wichtig: Art of Dance“, sagt die Tanzpädagogin. Die Kunst des Tanzens – nicht die Technik, nicht der Sport als Leistung sollte hier im Vordergrund stehen, sondern der künstlerische Ausdruck, den diese Art sich zu bewegen erlaubt. Brünings Motto früher wie heute: Hier darf jeder herkommen, der tanzen will.

Jung, alt, dick, dünn, männlich, weiblich

Und wer folgte diesem Motto? Jung, alt, dick, dünn, männlich, weiblich – in die Halle des Studios finden sich viele unterschiedliche Menschen zum Tanzen ein. Von den drei- und vierjährigen Mädels gäbe es zwar immer noch die Meisten, aber in die Hip Hop-Kurse habe sich jetzt auch ein Mann Ende 40 verirrt und beim Ballett machen 70-Jährige mit.

Beim Lehren ist viel Spielerisches eingebaut: Gerade bei den Gruppen der Jüngeren, käme es darauf an, die Bewegungen mit einem Sinn, zum Beispiel einem Symbol zu verknüpfen, so dass die Kleinen die Bewegung verstehen und erinnern können. „Beim Aufwärmen gibt es zum Beispiel das Kaufhausspiel. Da tut man so, als räume man etwas in Regale ein. Und weil einige Regalfächer ganz hoch sind, muss man sich natürlich sehr weit strecken“, sagt Brüning. Und auch bei den klassischen Fußstellungen des Balletts gibt es für Kinder bildliche Unterstützung: „Am Knöchel sitzt ein Sternchen, den muss man immer sehen können, also Füße schön aufdrehen“, sagt Brüning dann zum Beispiel. Mittlerweile ist die erste Nachmittagsgruppe da. Sieben kleine Mädchen haben sich umgezogen, stecken nun in bordeauxfarbenen Bodys.

„Ich mag die Klaviermusik beim Ballett. Ich spiele nämlich selbst Klavier“, sagt die Achtjährige Dora. Bei einer Befragung der Schüler, warum sie Tanzen, kommen diese Antworten: „Ich liebe Tanzen, weil ich beim Tanzen alles vom Tag vergessen kann“, sagt Dora. Sophia, ihre Schwester, sagt: „Ich liebe am meisten die Aufwärm-Spiele im Ballett. Zum Beispiel Kaufhaus spielen.“ Marie (7) erzählt, dass sie sich auch zuhause mehr tanzend fortbewegt als normal geht. Beim Unterricht hat sie auch eine Lieblingsübung: „Ich mag im Ballett vor allem Sprünge, besonders den Spagatsprung.“

Tanzen als Philosophie

Bei den Größeren gehen die Antworten schon ins Philosophische: Maria (15) aus Delmenhorst sagt: „Tanzen ist für mich eine Möglichkeit, meine Seele zu befreien und zu sein, wer oder was auch immer ich sein will. Mit jeder Tanzart und jeder Choreographie spielst du eine Rolle, in der du mehr über dich selbst lernst, unabhängig davon, wer du privat bist.“ Luisa (18), Schierbrok: „Durchs Tanzen kann ich in jede Rolle schlüpfen, die ich sein möchte, aber letztendlich bin ich vor allem immer genau ich selbst und dieses Gefühl hab ich der tollen Zeit hier bei Sandra zu verdanken.“

Sie alle Tanzen übrigens in Räumen, die vorher einer Autowerkstatt waren. Die gehörte den Schwiegereltern von Sandra Brüning, an diese zahlt sie immer noch regelmäßig die Miete. „Wir mussten den Boden tonnenweise mit Quarzsand aufschütten, damit der ebenerdig wird“, weiß Brüning noch. Denn bei einer Autowerkstatt ist der Boden abschüssig, was sich fürs Tanzen allerdings so gar nicht eignet.

„In dem Beruf bist du von Anfang an selbstständig“ – was Brüning damit meint: Als Tanzpädagogin wird quasi von dir erwartet, ein eigenes Studio zu eröffnen. Doch für Brüning war das ein Riesenschritt. Deshalb hielt sie sich vorerst mit Gastkursen in anderen Studios über Wasser. „Ich bin manchmal über 1000 Kilometer am Tag gefahren“, schildert sie die Dimensionen, die sie mit dem Auto zurücklegte, um die Tanzstunden in anderen Studios zu absolvieren. Immer auf Rechnung und ohne Versicherungsschutz etc. „Die Sommerferien, in denen die meisten Studios Pause machen, lösten Existenzängste aus.“

Unschöne Aufgabe

Als Tanzlehrerin hat Brüning ganz andere Arbeitszeiten als zum Beispiel in einem Bürojob. 15 bis 21 Uhr ist die „Primetime“ der Kurse. An zwei Vormittagen in der Woche erledigt sie den ganzen Papierkram. Eine unschöne Aufgabe dabei: „Wenn man dem Geld hinterher telefonieren muss.“ Es käme leider immer mal wieder vor, dass Eltern für die Stunden ihrer Kinder kein Geld überwiesen. Das kostet Brüning zusätzliche Energie.

Eine schöne Sache in ihrem Job sind Fortbildungen. Sie selbst besucht regelmäßig Workshops und nimmt auch mal gerne fortgeschrittene Tanzschüler mit. Wie zum Beispiel die 18-Jährige Luisa Lohöfer. Für Luisa ist Tanzen mittlerweile vom Lieblingshobby zum Karrierewunsch geworden. Die Abiturientin wird ab Herbst an der Tanzschule Lola Rogge in Hamburg eine Ausbildung machen. Junge Menschen mit dem „Tanzfieber“ so weit zu inspirieren, so dass der eine oder andere sogar in ihre Fußstapfen tritt: Es gebe nichts, was Brüning mehr rühre.

Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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