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NWZonline.de Region Delmenhorst

Wenn Videospiele und Netflix abhängig machen

06.05.2019

Delmenhorst Egal, ob mit Computer, Laptop oder Handy – über 90 Prozent der Deutschen sind online. Das zeigt eine aktuelle Onlinestudie von ARD und ZDF. Und Nutzung von Medien kann schädlich sein: Mediensucht ist zwar noch nicht offiziell als Erkrankung anerkannt, die Weltgesundheitsorganisation WHO hat aber bereits entschieden, „Online Gaming Disorder“ in den Katalog der Krankheiten aufzunehmen.

Doch damit allein ist es nicht getan, sagt Steffen Fietz. Er arbeitet für die Anonyme Drogenberatung Delmenhorst als Fachkraft für Medienabhängigkeit – und hat tagtäglich mit Betroffenen zu tun. Denn auch wenn das Internet auf den ersten Blick wenig mit Drogen zu tun hat –„Medienkonsum kann schädlich sein“, betont Fietz. So zeige sich neben Computerspielen auch bei Sozialen Netzwerken, Videostreaming und Online-Sex online abhängiges Verhalten.

Häufig merken die Betroffenen dabei nicht, dass sie abhängig sind. „Angehörige bekommen das viel eher mit“, sagt Steffen Fietz. Mit verschiedenen Werkzeugen könne man erkennen, ob man selber wirklich betroffen ist. Neben der täglichen Dauer und dem Stellenwert der Medien im Tagesablauf spielt auch die Fähigkeit, aufhören zu können, eine wichtige Rolle. „Wenn man das Zeitgefühl verliert oder bereits zu Schwitzen beginnt, wenn man weiß, dass man in 30 Minuten aufhören muss, sind das Warnsignale“, sagen Fietz und Tim Berthold, der bei der Anonymen Drogenberatung der Awo Vorgänger von Fietz ist und sich nun um die Prävention kümmert.

Beschäftigen sich mit hohem Medienkonsum: Tim Berthold (links) und Steffen Fietz von der Awo in Delmenhorst

Häufig würden Betroffene eine Flucht in die Online-Welt suchen. „Das ist wie beim Alkohol auch“, so Fietz. Trauer, Probleme und negative Dinge sollen in Vergessenheit geraten. „In den Gesprächen stellen wir immer wieder die Frage, ob das Online-Spielen eigentlich ,Spaß’ macht“, sagen Fietz und Berthold. Die Antworten würden dabei von „Ohne das Spielen würde es mir noch schlimmer gehen“ oder „Es ist der einzige Spaß, den ich noch habe“ reichen. „Hier muss man in einer Behandlung versuchen, anzusetzen“, sagt Steffen Fietz.

Nur, weil einige Anzeichen übereinstimmen, sei dies aber noch kein Grund zur Panik. Fietz: „Man kann immer mal wieder exzessive Phasen haben. Das gehört dazu. Gefährlich wird es, wenn es zu einem Dauerzustand wird.“

Als gefährlich empfinden Steffen Fietz und Tim Berthold eine neue Form von Online-Spielen, die es auch in Form von Handy-Apps gibt. „Hier werden kostenlose Spiele angeboten, die eine tägliche Routine von einem verlangen und in denen man durch den Einsatz von Geld beispielsweise schneller an Hilfsmittel für seine Charaktere kommen kann“, sagt Fietz. Die Auswirkungen seien ähnlich wie bei Glücksspielen und wären in einigen Fällen bereits mit erheblichen Schulden geendet.

Die Mitarbeiter der Anonymen Drogenberatung stehen Betroffenen, Angehörigen und Bezugspersonen bei Fragen zur Verfügung. „Bei uns wird niemand weggeschickt. Es ist immer besser, einmal mehr nachzufragen“, sagt Steffen Fietz. Allein im vergangenen Jahr nahmen 29 Betroffene sowie 34 Angehörige das Angebot wahr.

Wenn sich eine Abhängigkeit herausstellt, werden die Betroffenen eng durch die Beratungsstelle betreut. „Einige Betroffene sind nur wenige Male da, andere auch länger als ein Jahr“, sagt Steffen Fietz. „Man muss Rahmenbedingungen abstecken und sich klar machen: Veränderungen brauchen immer Zeit.“

Die Anonyme Drogenberatungsstelle in Delmenhorst ist eine von 16 Fachstellen in ganz Niedersachsen, die sich am Projekt „Reset“ beteiligen. Das Projekt wurde gerade erst um ein weiteres Jahr verlängert. Es konzentriert sich ausschließlich auf ein Beratungsangebot für Betroffene und Angehörige. Eine weitere Stelle in der Region befindet sich in Oldenburg: Fachstelle Sucht der Diakonie in Oldenburg, Ofener Straße 20, Telefon 0441 36155960

Acht Tipps vom Experten: Wie kann ich unnötige Zeit an Handy, Laptop und Fernseher vermeiden?

1. Armbanduhr kaufen, um nicht auf dem Handy nach der Uhrzeit zu schauen

2. Im Vorfeld bestimmte Zeiten zur Handy-Nutzung festlegen

3. Push-Nachrichten auf dem Smartphone deaktivieren

4. Handy zu Hause an einen Platz legen, wo es nicht jederzeit greifbar ist

5. Sich im Vorfeld bewusst machen, was man am elektronischen Gerät machen möchte

6. Freiräume schaffen, wie auf die Nutzung beim Essen verzichten

7.  Selbst reflektieren, wie lange man das technische Gerät nutzen möchte

8. Das Handy 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen nicht nutzen, um die Regeneration des Gehirns zu beginnen und für die Nacht ausschalten

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Sönke Spille Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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