DELMENHORST - Während am heiligen Abend überall die Festbraten auf den Tisch kommen, die Familie rund um den prachtvoll geschmückten Weihnachtsbaum zusammenkommt und die Kinder mit strahlenden Augen ihre eben erst ausgepackten neuen Spielsachen ausgiebig testen, kümmern sich Alexandra Huschenbett-Bürger und Petra Kalthoff um die Patienten in der Notaufnahme des Klinikums Delmenhorst.

Die beiden Frauen gehören zur Heiligabend-Besetzung. Sie tauschen den schicken Festtagszwirn gegen ihre blaue Arbeitskleidung, die nach Wald duftende Tanne gegen einen Plastikbaum und den leckeren Braten gegen nicht ganz frischen Kaffee. Anlass für Verärgerung oder Frust? Keineswegs. Den beiden Pflegerinnen macht die Feiertagsarbeit – ebenso wie vielen ihrer Kollegen – nichts aus. Sie gehört zum Job dazu und der muss getan werden – auch an Weihnachten. „Wer wirklich krank ist, ist dann froh, uns zu sehen“, weiß auch Dirk König, Pfleger in der Notaufnahme, aus Erfahrung. Jeder kennt aber auch die Patienten, die verärgert sind, weil sie unbedingt nach Hause wollen. Vor allem für Frauen sei das verdorbene Fest manchmal eine Katastrophe. „Sie haben zuhause alles vorbereitet und schön gemacht und dann endet der Tag im Krankenhaus“, sagt Alexandra Huschenbett-Bürger. Dank bekommen die Pfleger deshalb nur selten, aber auch das gehört zum Job dazu.

Die Weihnachtstage in der eigenen Familie organisiert das Pflegepersonal um die eigenen Arbeitszeiten herum. „Wir kennen das ja alle gar nicht anders“, sagt Petra Kalthoff. Auch Erika Potthoff, Bereichsleiterin des Pflegepersonals auf den chirurgischen Stationen C2 und C3, kennt das: „Dann findet die Bescherung eben entweder vor oder nach der Schicht statt. Sie sagt sogar, dass sie das Arbeiten an diesen Tagen genießt: „Dann ist es hier schön ruhig.“ Alle Patienten, die dazu in der Lage sind, dürfen an Heiligabend nämlich nach Hause. Sie werden entweder entlassen oder müssen nach der Feier mit der Familie wieder ins Klinikum zurückkehren.

Dieses Jahr ist das Weihnachtsfest ein besonderes: Im Klinikum herrscht nämlich Umzugsstress. Erika Potthoff und ihre Kollegen sind schon seit Tagen mit Einpacken, Auspacken und Umräumen beschäftigt: Das neue Bettenhaus wird bezogen.

Von diesem Theater bekommen Dieter Nienhüser und das Team der Krankenhausküche nicht viel mit. Für rund 150 Personen bringen sie an Heiligabend gefüllte Hähnchenschnitzel mit Kartoffeln und Fingermöhren auf die Teller. Am ersten Weihnachtsfeiertag wird Rindergulasch mit Waldpilzen und am zweiten Weihnachtsfeiertag Wildroulade serviert. Als süße Überraschung gibt’s Schoko-Weihnachtsmänner mit auf die Tabletts. Einzig den Kindern in der Kinderklinik wird schon mal eine „Extrawurst“ gebraten. Auch dort dürfen die meisten Patienten die Station an Weihnachten verlassen. Wer bleiben muss, hat meistens die ganze Familie zu Besuch. Leckereien und Geschenke werden mitgebracht. Die Station ist weihnachtlich dekoriert die Eltern bleiben über Nacht. „Irgendwie ist das auch wie daheim“, findet Schwester Karin Krüger, die auch Weihnachten gerne für ihre kleinen Patienten da ist.