DELMENHORST - Vor Ort sind 160 Mitarbeiter beschäftigt. Weltweit sind es 1500.
Von Mechthild Voigt
Nahezu 100 Prozent aller Autoschilder in Ungarn kommt aus der in Delmenhorst ansässigen Firma J.H. Tönnjes, die auch in Deutschland Marktführer für Autoschilder ist. Das Familienunternehmen mit Gerd, Bernd und in sechster Generation Piet Tönnjes an der Spitze, feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Jubiläum und sieht sich für die Zukunft gut gerüstet. Man trägt sich sogar mit dem Gedanken, das Werk an der Syker Straße mit jetzt fünf Produktionshallen zu erweitern. Das ließ das Führungstrio bei einer Firmenbesichtigung durch Mitglieder des Wirtschaftsausschusses anklingen.
Tönnjes beschäftigt vor Ort 160 Mitarbeiter, weltweit sind es 1500, allein 500 davon in Russland. Die Suche nach neuen Märkte gestaltet sich nach Angaben der Geschäftsführung nicht einfach. So habe man von China „die Finger gelassen“, nachdem zwei Mit-Konkurrenten dort kläglich gescheitert seien. „Dort werden die Schilder in den Gefängnissen und der Armee gefertigt“, weiß Bernd Tönnjes. Schwierig sei es auch mit Taiwan: „Da sind wir im neunten Jahr der Hoffnung“, so Bernd Tönnjes.
In Lettland, Litauen der Ukraine, Panama, Griechenland, Australien, Guatemala, Bolivien und Sierra Leone hingegen zahlt sich die Zusammenarbeit der Delmenhorster mit dortigen Geschäftspartnern aus. Auch hier müssen allerdings oftmals hohe staatliche Hürden genommen, Normen vorgelegt und landestypische Gegebenheiten streng beachtet werden.
Mit Besorgnis sieht das Unternehmen eine neue bundesweite Verordnung, wonach Autofahrer ab Herbst 2008 ihr bisheriges Kennzeichen bei einem Umzug innerhalb des Bundeslandes mitnehmen dürfen. „Das gibt einen Mischmasch der Kennzeichen“, mahnt Piet Tönnjes, und mit einem „Freundlichkeitsbonus für Ortsfremde“ könne dann auch nicht mehr gerechnet werden.
Auch die Stadt müsste laut Tönnjes schwere Einbußen hinnehmen. Viele Autofahrer würden derzeit etwa zwölf Euro mehr für ihr Wunschkennzeichen zahlen. Im Jahr kommen so etliche Euro zusammen.
Nach ersten Überschlagsrechnungen von Bernd Tönnjes hätte das Unternehmen mit Markteinbußen zwischen 40 und 50 Prozent zu rechnen. Und das hätte dann auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
