Delmenhorst - Der kleine Film, den Claus Schroeder, Schulleiter der Oberschule Süd in Delmenhorst, vorführte, hat Grant Hendrik Tonne beeindruckt. Das Leitungsteam der Schule hat in dem Video in nur zwei Minuten zusammengefasst, womit die Schule tagtäglich zu kämpfen hat: Zu viele unbesetzte Planstellen, zu wenig Bewerber, zu viele Quereinsteiger, Teilzeitkräfte und Abordnungen aus anderen Schulen, ein hoher Krankenstand bei den Lehrkräften, eine fehlende Durchmischung von deutschen Kindern und Migrantenkindern und ein stark gestiegener Förderbedarf. „Der Lehrer ist immer mehr Erzieher, Therapeut und Vater- oder Mutterersatz“, hieß es zum Schluss des Films.

Kultusminister Tonne hat am Freitag während seines Besuchs in Delmenhorst den Startschuss für das Programm „Schule [PLUS]“ gegeben. Profitieren sollen von dem Programm neben der Oberschule Süd die Parkschule und die Schule Beethovenstraße. Die teilnehmenden Schulen erhalten 15 zusätzliche Lehrerstunden pro Woche, wahlweise können sie die Mittel in andere Maßnahmen wie z.B. Ausbau des sozialpädogischen Angebots oder bauliche Veränderungen umlenken. Die ausgewählten Schulen werden durch ein Entwicklungsteam, besetzt mit Fachleuten aus der Landesschulbehörde und dem Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung, begleitet. Für jede Schule soll ein individuelles Konzept erarbeitet werden.

Nach einem Rundgang fand in der Aula der Schule am Brendelweg ein Austausch mit den Leitungen der drei Schulen, der Stadtverwaltung, Eltern- und Schülervertretern und Sozialpädagogen statt. „Unser Hauptproblem ist der Lehrermangel“, sagte OS-Leiter Claus Schroeder. „Wir haben zu viel Arbeit und zu wenig Lehrkräfte.“ Auch Insa Nessen, Leiterin der Schule Beethovenstraße, beklagte die zahlreichen offenen Stellen. Von 14 Klassen hätten nur zehn einen Klassenlehrer. „So ist es für uns nicht möglich, in die Schulentwicklungsarbeit einzusteigen.“

Ein düsteres Bild zeichnete Elke Reimann, Leiterin der Parkschule. Bildungsferne Elternhäuser, geringe Sprachkompetenz, kein Respekt gegenüber weiblichen Lehrkräften, Schüler, die keine Regeln kennengelernt haben, ein hohes Aggressionspotenzial und überbordenden Medienkonsum aufweisen, seien der Alltag. „Das bedeutet ein ganz hohes kräftezehrendes Engagement“, sagte sie.

Tonne machte klar, dass es beim Lehrermangel keine schnellen Lösungen geben könne. Das „[PLUS]“-Programm sei mehr. Es diene vor allem dazu herauszufinden, welches Instrumentarium zur Qualitätsverbesserung die Schulen bräuchten, die unter besonders schweren Bedingungen arbeiten.