DELMENHORST - „Wir sind der Spitzenverband, was die Interessenvertretung der Soldaten betrifft.“ Oberst Ulrich Kirsch, der neue, seit Jahresbeginn amtierende Vorsitzende des Deutschen Bundeswehrverbandes, darf selbstwusst sein. Das Wort des 1956 gegründeten, heute 206 000 Mitglieder starken Verbandes wird gehört, auch in der Berliner Politik. Am Dienstag absolvierte der neue DBwV-Vorsitzende seinen Antrittsbesuch beim Standort Delmenhorst, mit 2600 aktiven Soldatinnen und Soldaten neuntgrößter Standort in der Bundeswehr. Nicht zu vergessen die 345 ehemaligen Soldaten und ihre Familien, die nach ihrer Dienstzeit in Delmenhorst geblieben sind.
Den Vormittag nutzte Kirsch gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Standortkameradschaft Delmenhorst Oberst a.D. Jörg Zimmer, zu einem Besuch im Delmenhorster Rathaus. Hier traf der Verbandschef mit Bürgermeister Hermann Thölstedt zusammen. Kirsch unterstrich die Wichtigkeit, die den Delmenhorster Einheiten innerhalb der deutschen Streitkräfte zukommt: „Logistik und Nachschub sind eine ganz wesentliche Aufgabe.“
Eine seiner Hauptaufgaben sehe er, so Kirsch im Gespräch mit Thölstedt, in der Bearbeitung des Feldes „Vereinbarkeit von Dienst und Familie“. Und dies ganz besonders vor dem Hintergrund der Auslandseinsätze deutscher Soldaten in Afghanistan, dem Kosovo, in Bosnien-Herzegowina und am Horn von Afrika. Permanent seien 7000 bis 9000 deutsche Soldaten im internationalen Einsatz – die Folge sei eine psychische und körperliche Belastung für die betroffenen Soldaten und ihre Familien in einem vormals nicht gekannten Ausmaß. Das Sich-Kümmern um die Angehörigen von Soldaten auf Auslandseinsatz nehme eine immer wichtiger werdende Rolle ein, sagte Kirsch, denn „Tod und Verwundung und Töten müssen auf der Grundlage von Befehl und Gehorsam – solche Aufgaben hat keine andere Berufsgruppe.“ Kirsch begrüßte auch angesichts der erhöhten Gefährdungslage das jüngst verabschiedete Weiterverwendungsgesetz, das verletzten, körperlich eingeschränkten Soldaten eine angemessene Weiterbeschäftigung sichert.
Auf Einladung der Standortkameradschaft Delmenhorst hielt Kirsch am Nachmittag einen Vortrag in der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne Adelheide zum Thema „Das globale Einsatzspektrum der Bundeswehr – ein weiteres Aufgabenfeld für den Deutschen Bundeswehrverband“. Zuvor stand eine Unterredung mit Brigadegeneral Winfried Zimmer, Kommandeur der Logistikbrigade 1 EK.
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