Delmenhorst - Nach einem Dreivierteljahr mit der Corona-Pandemie sind wir es inzwischen gewohnt, uns mit unseren Mitmenschen durch eine durchsichtige Wand zu unterhalten. Sei es im Supermarkt, in der Apotheke, im Geschäft oder in der Arztpraxis. Sie stehen auf einem Tresen, hängen von der Decke oder sind auf dem Boden aufgestellt. Doch wer hat die Wände eigentlich produziert? Und wie heißen sie offiziell?
Arbeitsaufkommen steigt seit März
„Manche Leute sagen dazu Spuckwand, aber ich nenne sie Hustenschutzwand. Das klingt nicht so eklig“, sagt Rainer von Seggern, Inhaber der gleichnamigen Tischlerei in Delmenhorst. Mit dem ersten Lockdown stieg in seinem Betrieb das Arbeitsaufkommen, denn im März und April haben er und seine Mitarbeiter die meisten Schutzwände gebaut.
Bis jetzt wurden im Unternehmen um die 300 Schutzwände produziert. Eine goldene Nase habe er sich damit aber nicht verdient: „Ich habe die Wände zu kleinen Preisen verkauft und bin für die Installation durch die Weltgeschichte gefahren. Man kann nicht sagen, dass wir Tischlereien die Gewinner der Krise sind. Die Wände wurden dringend gebraucht, wir haben vernünftige Lösungen angeboten.“
Keine Lücke in den Auftragsbüchern
Sich eine Überlebensnische zu suchen war für die Tischlereien aber auch gar nicht nötig, erzählt Andreas Sander, ebenfalls Inhaber seiner eigenen Tischlerei: „Wir hatten ja keine Lücke in den Auftragsbüchern – im Gegenteil. Wir haben mehr Arbeit als zuvor. Viele Menschen fahren nicht in den Urlaub, sondern geben ihr Geld für ihr Zuhause aus.“
Die höchste Nachfrage nach Spritzschutzwänden, wie Sander sie nennt, hatte sein Unternehmen in den vergangenen zwei Monaten. Vielleicht liegt das an einer Besonderheit: „Wir bauen die Wände aus Glas, nicht aus Plexiglas. Letzteres wird nach häufigem Reinigen mit Desinfektionsmitteln nach einiger Zeit matt und unansehnlich. Das passiert bei Glas nicht.“ Und so hat er viele Schutzwände dort installiert, wo tatsächlich noch gar keine Wände vorhanden waren, oder erste Lösungen ausgemustert worden sind.
Die Maße sind besonders wichtig
Besonders wichtig bei der Planung und beim Bau der Schutzwände ist das Maß, erklärt Rainer von Seggern: „Sie müssen natürlich den ganzen Bereich abdecken, in dem sich die Menschen begegnen. Also müssen die Wände eine gewisse Höhe und Breite haben, sonst bringen sie nichts.“ Zudem müsse so eine Wand rutschfest und kippsicher sein. Und eine Durchreiche solle vorhanden sein, damit man Papiere oder Ware nicht daran vorbei reichen muss.
Wie die Wände aber nun offiziell heißen, war im Rahmen dieser Recherche nicht zu klären.
