Delmenhorst - Nachdem die mobilen Impfteams in Delmenhorst ihre Arbeit aufgenommen haben, steigt auch bei Senioren abseits der Heime die Hoffnung, bald an der Reihe zu sein. Denn die von der Ständigen Impfkommission definierte Gruppe mit höchster Priorität beinhaltet auch Senioren, die in den eigenen vier Wänden leben. Nach Zahlen des statistischen Landesamts sind in Delmenhorst rund 5000 Menschen über 80 Jahre alt. Nur eine Minderheit von ihnen lebt in einem Heim und hatte bereits die Chance, sich mit einem Piks gegen das Coronavirus zu schützen.
Seit fast einem Monat ist das Delmenhorster Impfzentrum in der Wehrhahnhalle bereit, den Betrieb aufzunehmen. Laut Niedersächsischer Landesregierung soll am 28. Januar die Terminvergabe (
„Die psychische Belastung ist groß“
Der 87-jährigen Frauke Maria Güthler setzt dieses Warten zunehmend zu. „Ich bin eigentlich kein ängstlicher Mensch, aber das geht an mein Nervenkostüm. Die psychische Belastung ist groß“, berichtet sie. In der Arbeitsgemeinschaft „60 plus“ engagiert sie sich in der SPD und verfolgt aufmerksam die Nachrichten. Trotzdem fühlt sie sich von der Landesregierung nicht gut informiert: „Man hört ja nichts und weiß nicht, wie es weiter geht. Gefühlt hängt man im luftleeren Raum.“
Güthler bemängelt, dass sie bislang noch keine Informationen per Post erhalten hat. Die Ankündigung, auch per Brief zu informieren, hat die Landesregierung bisher nicht umgesetzt. „Das dauert alles so lang. Bis es endlich so weit ist, könnten wir längst hops sein“, kritisiert Güthler.
Impfung für diejenigen mit höchstem Risiko
„Wir bieten zunächst denen eine Impfung an, die das höchste Risiko tragen. Und das sind ganz klar die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen. Die Hälfte der Todesopfer kommt aus diesen Einrichtungen“, erklärt Anne Hage, Sprecherin des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums.
Niedersachsen setzt auf digital oder telefonisch vereinbarte Termine. „In anderen Bundesländern hingen die Senioren stundenlang in einer Warteschleife“, kritisiert Güthler. Das Internet nutzten in ihrem Alter nur wenige Menschen. Deshalb wünscht sie sich einen Termin direkt per Post. Für Ministeriumssprecherin Hage könnte es dann aber zu unpassenden Impfterminen kommen, bei denen die Bürger nicht erscheinen.
Seniorenbeirat will Hilfsangebote suchen
Die Impfzentren sind zwar die effizienteste Lösung, ein Besuch ist in hohem Alter aber oft nicht ohne Hilfe möglich. Deshalb will sich der Seniorenbeirat um Hilfsangebote, wie Fahrdienste von Johannitern oder Caritas, bemühen, sagt der Vorsitzende Ulf Kors. Auch die Stadtverwaltung wolle er um Unterstützung bitten. Für Fragen ist er unter
