Delmenhorst - Die behördliche Aufforderung, Hühnern, Enten, Gänsen und dem Ziergeflügel den Aufenthalt im Freien zu verbieten, sorgt bei Egon Heuer für Kopfschütteln. Der Vorsitzende des Delmenhorster Geflügelzuchtvereins von 1895 denkt dabei vor allem an die vielen jungen Familien, für die die artgerechte Haltung von ein paar Hühnchen im eigenen Garten wieder zum Trend zu werden scheint.
„Ich als Rassehuhnzüchter mag mich für die Aufstallungsverpflichtung einrichten können“, sagt er. Diejenigen aber, die bloß ein paar Hennen fürs glückliche Frühstücksei am Haus laufen lassen, hätten doch gar keinen Platz für eine geschlossene Voliere, die das Haushuhn von der übrigen Vogelwelt isolieren soll. „Wo sollen die Hühner denn eingesperrt werden? Und was mutet man dem Geflügel damit zu?“, fragt der Delmenhorster.
Hobbyhühnerhalter in gleichem Maße getroffen
Damit spricht er ein grundlegendes Problem an: Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Vogelgrippe träfen die Hobbyhühnerhalter in gleichem Maße wie die wirtschaftlichen Großhaltungen. Seit vielen Jahren setzt sich der Bundesverband der Rassegeflügelzüchter schon für eine Unterscheidung ein.
Der Verbreitung der Vogelgrippe dürfe zum Bedauern der hobbymäßigen Halter nicht durch eine Schutzimpfung begegnet werden, weil dadurch der grenzübergreifende Geflügelhandel der Agrarindustrie negativ betroffen wäre. Es sei denn, es gebe gesetzliche Veränderungen – wie eine Regelung, die die Hühner aus Hobbyhaltungen aus der Lebensmittelkette herausnähme.
165 Geflügelhalter in Delmenhorst betroffen
Nachdem bei Wildvögeln in verschiedenen Gebieten Deutschlands sowie in einem Geflügel haltenden Betrieb in Schleswig-Holstein vermehrt Fälle der sogenannten Geflügelpest festgestellt worden waren, hatte die Stadt Delmenhorst eine Stallpflicht für Geflügel ausgesprochen. Betroffen sind 165 Geflügelhalter mit insgesamt 3500 Tieren.
Dass es zu Kontakten zwischen seinen Freilandhühnern und Zugvögeln kommen kann, hält Heuer für ein konstruiertes Argument. In der Freilandhaltung scheine die Infektionsgefahr wesentlich geringer zu sein, als in der Massentierhaltung, wo sich die Tiere auf engstem Raum bewegen. Und auch seine Hühner werden ab sofort viel weniger Platz zur Verfügung haben.
Hobby ist in seiner Existenz bedroht
Heuer sieht sein Hobby ohnehin in seiner Existenz bedroht. 35 Mitglieder zählt der Delmenhorster Geflügelzuchtverein noch. Seit dem Abriss der Delmehalle sei ihnen auch der Ort für die jährlichen Tierschauen genommen worden. Das Vereinsleben stützt sich überwiegend auf die Clubtreffen, „auf die wir coronabedingt seit einiger Zeit auch schon verzichten müssen“.
Von der Aufstallungspflicht sind die Hausgänse an der Graft übrigens nicht betroffen. Für das Rathaus gelten sie als wildlebende, herrenlose Vögel.
