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Delmenhorster Innenstadt Aufbruch im Handel trotz Corona-Pandemie spürbar

Gerwin Möller

Delmenhorst - „Nach Corona wird es kein einfaches Zurück in den alten Trott geben“, ist Christian Wüstner überzeugt. Der Sprecher der Innenstadt-Kaufleute tauscht sich mit anderen Akteuren regelmäßig aus. „Handel ist Wandel“, zitiert er eine Binsenweisheit, „weil sie stimmt“.

In der gegenwärtigen Situation würden alle Einzelhändler an ihren Konzepten arbeiten, den Umgang mit ihren Kunden neu denken, ihre Serviceleistungen verbessern. In seinem eigenen Geschäft Gameground an der Langen Straße setzt Wüstner noch stärker auf den Online-Handel. „Dabei ist es auch wichtig, sich nicht zu vereinzeln und sich nicht ins Schneckenhaus zurückzuziehen“, sagt Wüstner. „Vor einem Jahr haben ich und viele meiner Kollegen nicht daran denken mögen, dass uns durch die Pandemie solche Beschränkungen auferlegt sind.“

Veränderungen stehen in Delmenhorst an

„In Delmenhorst passiert eine ganze Menge“, erzählt Andreas Vogler, geschäftsführender Gesellschafter des Immobilienunternehmens Kristensen Invest. Trotz schwieriger Zeiten für die Innenstädte als Handelszentren kann Vogler über eine ganze Reihe anstehender Veränderungen „im East-End der City“ berichten, die Mut machen.

Der langjährige Leerstand und der beschlossene Abriss der Hertie-Immobilie mitten in der Fußgängerzone sei für die Geschäftstreibenden eine Herausforderung, die angenommen wird. Vogler freut sich, dass es im von ihm verantworteten Bereich kaum noch Leerstände gebe. Ins City-Center zieht in der kommenden Woche ein Unternehmen ein, das den Menschen Corona-Schnelltests anbieten wird.

Innenstadt verliert an Verkaufsfläche

Durch den Wegfall der City-Point-Flächen und des geschlossenen Kaufhauses habe die Innenstadt rund 3000 bis 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche verloren. „Der Charakter der Einkaufsstraße ist ohnehin im Wandel“, so Vogler. Es werde sich im City-Bereich mehr Gewerbe mit Service und Dienstleistungen ansiedeln müssen, die Aufenthaltsqualität sei durch Gastro- und Eventangebote zu steigern.

Es gebe auch immer mehr ältere Bewohner, die nicht an den Stadtrand abgeschoben werden wollen. Für die Senioren, die stark am Innenstadt-Leben teilhaben wollen, müsse man Angebote schaffen. „Wir werden das ehemalige Engbers-Haus abreißen und durch einen Neubau ersetzen, der unten Läden und im Obergeschoss Wohnungen bietet.“

Dynamischer Prozess im Handel beobachtet

Im Handel beobachtet Vogler einen „dynamischen Prozess“. Die „überregionalen Händler haben ihre Schockstarre überwunden und orientieren sich neu“. An der Lange Straße 87 eröffne bald ein Lokal mit arabischer Küche, das Brautmodengeschäft Marry Me zieht in die Lange Straße 43 und ein großer Anbieter von Serviceleistungen soll an die Lange Straße 85 kommen.

Ralf Hots-Thomas, Geschäftsführer der Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft, freut diese Entwicklung. Er schlägt auch die Schaffung von Pop-Up-Läden vor, wo Anbieter regionale Produkte vermarkten können.

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