DELMENHORST - DELMENHORST - Es ist eng in den Räumen an der Breslauer Straße 103 in Düsternort. 24 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen hier bei der Delmenhorster Tafel für die Versorgung bedürftiger Menschen mit Lebensmitteln. Viele Kisten Brot, Gemüse und Obst türmen sich drinnen auf, während draußen dutzende Wartende Schlange stehen.
Damit die Ausgabe der Lebensmittel einigermaßen kontrolliert abläuft, wurde vorgesorgt: „Jeder, der nachgewiesen hat, dass er bedürftig ist, bekommt einen Tafelpass“, erklärt Monika Schmidt, die als Vorsitzende der Delmenhorster Tafel alle Hände voll zu tun hat. „Durch den Pass müssen die Bedürftigen nicht ständig ihre ganzen Hartz-IV-Papiere mitbringen. Es gibt drei verschiedene Farben, wodurch die Menschen wissen, wann sie an der Reihe sind.“
Heute ist auch Heidi Scharfscheer, die seit langem die Tafel unterstützt, bei der Essensausgabe mit von der Partie. Da sie selbst kommunalpolitisch aktiv ist, will sie mit gutem Vorbild vorangehen: „Ich finde es ganz schlimm, dass sich unser Oberbürgermeister seit Beginn seiner Amtszeit nicht einmal hier hat blicken lassen. Obwohl hier wirklich Knochenarbeit geleistet wird.“ Auch Monika Schmidt würde sich über mehr Unterstützung seitens der Stadt freuen. So sei man in der Stadtmarketing-Broschüre, in der sonst alle Vereine und Organisationen aufgelistet seien, einfach übergangen worden: „Wir wurden gar nicht erst gefragt.“
Immerhin habe man über die Politik erwirken können, dass die Tafel künftig in einer angemessen großen Unterkunft Quartier beziehen kann. Ende Februar oder Anfang März, so Monika Schmidt, werde man in die Elbinger Straße 8 umziehen, wo dann 150 Quadratmeter zur Verfügung stehen werden. Seit März 2005, als die Hartz-IV-Bestimmungen voll aufs Portemonnaie der Menschen durchschlugen, gibt es einen regelrechten Ansturm auf die Tafel in Delmenhorst: „Wir versorgen derzeit mehr als 1000 Menschen mit Lebensmitteln. Wenn wir mehr Platz haben, wird die Anzahl bestimmt noch weiter steigen.“
Dreimal wöchentlich werden von morgens 8 bis mittags um 12 Uhr Lebensmittel ausgeteilt. „Das kann aber auch schon mal 14 Uhr werden, wenn der Andrang groß ist. Wir schicken dann keinen einfach weg“, sagt Monika Schmidt. Damit es keinen Missbrauch gibt, wird genau Liste geführt, wer schon etwas erhalten hat.
Ein Fahrer und ein Beifahrer sind die ganze Woche über unterwegs, um Lebensmittel beim Bäcker oder von den Supermärkten abzuholen. „Die kommen uns sehr entgegen“, lobt Monika Schmidt. Die gebürtige Ostdeutsche organisiert den reibungslosen Ablauf und weiß sich angesichts vieler Bedürftiger, die nicht aus Deutschland stammen, auch sprachlich zu helfen: Sie spricht fließend Polnisch und Russisch.
Fakten zur Delmenhorster Tafel
