DELMENHORST - Die Gesellschaft wird immer älter. Die Wissenschaftler sind sich einig, dass sich daraus neue Möglichkeiten ergeben.
Von Birte Tripke
DELMENHORST - „Vernünftig zu altern beginnt in der Vorschule.“ Was Uwe Opolka, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Hanse Wissenschaftskollegs (HWK) mit ein wenig Polemik sagt, ist aber dennoch – wenn auch stark vereinfacht – das Fazit von Forschern aus vielen wissenschaftlichen Disziplinen, die sich mit dem demografischen Wandel und seinen Auswirkungen beschäftigen.Eine internationale und interdisziplinäre Konferenz zum Thema „Neue Chancen durch eine alternde Bevölkerung“ der Bertelsmann Stiftung Gütersloh, Universität Bremen, der Jacobs University Bremen und des HWK findet derzeit in Delmenhorst statt. Soziologen, Hirnforscher, Entwicklungspsychologen und Sozioökonomen vergleichen ihre Befunde.
Wie kann man das Altern auch positiv sehen? Das ist laut Ole Wintermann von der Bertelsmann Stiftung die zentrale Frage. Die Gesellschaft müsse endlich weg von der „Negativ-Semantik“, denn das sei auf Dauer nicht motivierend. „Es geht nicht darum, die Dinge schön zu reden, sondern darum, Möglichkeiten aufzuzeigen“, sagt Wintermann. Eigenverantwortung spiele in Umgang mit der eigenen körperlichen und geistigen Gesundheit und Aktivität eine wichtige Rolle. „Gesundheit bis ins hohe Alter zu erhalten – wenn das nicht positiv ist“. Und dazu gehöre auch, möglichst lange erwerbstätig und „geistig flexibel“ zu sein – und das eben als Chance zu begreifen.
„Individuen und Gesellschaft reagieren sehr sensibel und dynamisch auf Veränderungen“, sagt Ursula Staudinger, Bremer Professorin für Psychologie. Deshalb müsse ein Wandel stattfinden, die Arbeitswelt dürfe nicht länger als „Durchlauferhitzer“ fungieren, der die junge Generation verheizt und dann auswirft. In Schweden sind 79 Prozent der 54- bis 64-Jährigen noch im Arbeitsprozess, in Deutschland nur 39 Prozent. „Das ist ein enormes nicht ausgeschöpftes Potenzial“, so Staudinger, „die Personalentwicklung muss das erkennen.“
Voraussetzung, um aktiv alt zu werden, sei neben Gesundheit auch lebenslanges Lernen – angefangen bei der frühkindlichen Bildung bis hin zur Weiterbildung im hohen Alter. Auch hier müsse umgedacht werden, findet die Soziologin Hilke Brockmann, denn: „In Deutschland wird das Geld meistens für Auto und Haus ausgegeben.“
