DELMENHORST - Vertreter aus allen gesellschaftlichen Bereichen nahmen an dem Empfang teil. Er wird seit 25 Jahren ausgerichtet.

Von Wolfgang Loest

DELMENHORST - Die wachsenden sozialen Probleme und Möglichkeiten des Gegensteuerns durch die Besinnung auf Geschwisterlichkeit standen im Mittelpunkt des Jahresempfangs des Diakonischen Werks. Das Treffen, das bereits seit einem Vierteljahrhundert veranstaltet wird, fand am Freitagnachmittag in der Stadtkirche statt.

Er habe die Befürchtung, dass der soziale Kahlschlag in der Bundesrepublik größer werde und damit auch die soziale Kälte zunehme, bekannte der Vorstandsvorsitzende der Diakonie, Horst Westermann, in seinem Grußwort. Und auch Oberbürgermeister Carsten Schwettmann konnte nicht umhin einzuräumen, dass die Stadt in den kommenden Jahren weiter den Rotstift bei freiwilligen Leistungen ansetzen muss. Deshalb sei es umso wichtiger, eine gemeinsame Perspektive für alle gesellschaftlichen Gruppen in der Stadt zu entwickeln, unterstrich Schwettmann.

Es gehe nicht darum, dass es künftig keine Meinungsverschiedenheiten mehr geben solle, so das Stadtoberhaupt. Ziel müsse es vielmehr sein, bei der Entwicklung der Stadt gegenseitigen Respekt, Toleranz und Solidarität nicht zu vergessen. Wenn Entscheidungen im Geiste der Geschwisterlichkeit getroffen würden, sei Delmenhorst auf dem richtigen Weg.

Auch Dr. Wilfried Hagemann, Geistlicher Rektor des Gertrudenstifts in Rheine/Westfalen, prognostizierte in seinem Gastreferat eine Zunahme der Probleme. „Die Finanzmittel werden weiter abnehmen, während die Arbeit und das Armutsrisiko wachsen“, sagte Hagemann. Da auch ehrenamtliche Kräfte nicht unbegrenzt zur Verfügung stünden, sei es an der Zeit, dass sich die Gesellschaft als Ganzes bewegt. Zentrale Grundwerte müssten wieder mehr Gewicht erhalten, unterstrich der Geistliche.

„Wir alle sind eins. Das ist eine Botschaft, die von der menschlichen Rasse weitgehend ignoriert wurde. Dass diese Wahrheit vergessen wurde, ist der einzige Grund für Hass und Krieg“, zitierte Hagemann den Dalai Lama. Mit der Grundidee einer universalen Geschwisterlichkeit könnten neue Seilschaften gebildet werden – nicht zur eigenen Karriere-Absicherung, sondern als Netzwerk von Mensch zu Mensch.

Konkrete Beispiele für gelebte Geschwisterlichkeit gebe es viele, so Hagemann. Sie reichten von der Aufnahme eines straffälligen Jugendlichen in eine Familie bis hin zu Modellen der Betriebsführung mit einem gleichberechtigten, geschwisterlichen Verhältnis von Arbeitgebenden und Kapitalgebern.