DELMENHORST - Hohen Besuch bekam am Montag die Anlaufstelle für Strafanfällige des Diakonischen Werkes des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Delmenhorst/Oldenburg Land. Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann kam auf Einladung des CDU-Kreisvorsitzenden Heinz-Gerd Lenssen in die Einrichtung an der Dünsternortstraße.
Frank Schreiber, Leiter der Anlaufstelle, und Mitarbeiter Axel Zuber berichteten kurz über die aktuellen Entwicklungen und Projekte, wie beispielsweise die Brücke oder die Delmenhorster Tafel. Im Mittelpunkt des Treffens stand jedoch das Projekt „Geldverwaltung statt Ersatzfreiheitsstrafenverbüßung“.
Gezielte Hilfsangebote
Hier wird Menschen, die zu einer Geldstrafe verurteilt sind, durch ein gezieltes Hilfeangebot die Möglichkeit gegeben, ihre Strafe auch bei geringem Einkommen in Raten zu zahlen und so nicht ins Gefängnis gehen zu müssen. Diejenigen, die nur wegen kleinerer Delikte wie Schwarzfahren ins Gefängnis müssen, weil sie nicht die nötigen finanziellen Reserven haben, um die Strafen zu zahlen, seien die Verlierer der Gesellschaft. Durch den kurzen Aufenthalt im Gefängnis werde ihnen häufig langfristig die Möglichkeit auf Job und Wohnung genommen, erklärte Schreiber.
Probleme durch Erfolg
„Das Projekt läuft sehr gut“, berichtete der Leiter, allerdings entstünden durch den Erfolg auch Probleme. Der Zuständigkeitsbereich habe sich auf die Justizvollzugsanstalt Vechta und den großen Landgerichtsbezirk Verden ausgeweitet. „Durch die Erweiterung gibt es einen Mehrbedarf. Da stoßen wir an Kapazitätsgrenzen, die wir nicht alleine stemmen können. Die Finanzierung muss solider aufgestellt werden“, erklärte Frank Schreiber. Zudem wurde der Vertrag mit der Stadt Delmenhorst aufgekündigt. Im neuen Vertrag sei es das Ziel der Stadtverwaltung, die Mittel zu reduzieren. Deswegen sei die Aufstockung nur über Landesfinanzierung möglich.
Justizminister Busemann lobte als Reaktion zunächst einmal die Vertreter des Diakonischen Werkes für ihre tadellose Arbeit. Er betonte, dass es in der näheren Zukunft wichtig sei, die Situation mit Vechta und Verden näher zu beleuchten. Die Fallzahlen, die in Delmenhorst weiter steigen, seien entscheidend für eine finanzielle Unterstützung des Landes. „Wer mehr schafft, bekommt auch mehr“, gab Busemann zu verstehen und machte den Vertretern der Anlaufstelle Hoffnung auf grünes Licht.
