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Drogenberatung In Delmenhorst Immer mehr Menschen medienabhängig

Imke Harms

Delmenhorst - Sucht, Abhängigkeit, exzessiver Konsum, Zwangsverhalten – das sind Schlagworte, die so negativ besetzt sind, dass Betroffene sich oft schämen. Die anonyme Drogenberatung Delmenhorst (drob) in der Scheunebergstraße ist in solchen Fällen eine Anlaufstelle – auch für Angehörige. Am Freitagmittag stellten die Einrichtungsleiterin Evelyn Popp und einer der Berater, Tim Berthold, die aktuellen Entwicklungen vor.

Suchtprobleme bei Jung und Alt

„Wir haben viele junge Menschen erreicht. Aber auch bei den über 60-Jährigen steigt die Anzahl derer, die verschiedene Suchtprobleme haben“, führte Popp aus. 2017 suchten insgesamt 1305 Menschen bei der drob Hilfe. 68 Prozent von ihnen haben eine Therapie oder die Beratungen planmäßig und erfolgreich beendet – „ein sehr guter Wert“, freut sich Popp.

Platz eins der Suchtstoffe: Alkohol

Immer noch auf Platz eins der Suchtstoffe ist der Alkohol. Aus gutem Grund: „Es ist in unserer Gesellschaft normal zu trinken. Es dauert daher oft sehr lange, bis auffällt, dass der Konsum aus dem Ruder läuft“, mahnt Popp. Auf Platz zwei kommt Cannabis, es folgen Opiate und die Sucht nach Glücksspiel.

Süchtig nach Medien

Eine Suchterkrankung, die bislang in Statistiken nicht auftaucht, ist die Medienabhängigkeit. „Aber die Zahl derer, die davon betroffen sind, steigt“, schätzt Berthold. Schwierig sei hierbei eine Klassifikation. Was ist normal, was ist ungesund, was ist krankhaft? „Wir finden es in dem Fall wichtig, die Sucht nicht unbedingt nur nach einer Zeitdauer zu definieren, die Betroffene beispielsweise vor dem Computer sitzen. Es geht vor allem darum, ob sich aus der Mediennutzung Probleme für das restliche Leben ergeben“, erklärt Berthold.

Therapie bei Suchtverhalten

Ein Betroffener erzählt: Schon seit der siebten Klasse habe der heute 21-Jährige täglich um die neun Stunden am PC gesessen. „Ich wurde immer unausgeglichener, gefühlskälter, hatte Wutanfälle“, berichtete er im Rückblick. Die Schule litt, der Freundeskreis wurde immer unwichtiger. Dann passierte etwas, das typisch für eine Sucht ist, wie Popp aufklärt: „Mir hat das Spielen an sich nachher eigentlich gar keinen Spaß mehr gemacht. Ich hatte nur keine Alternative“, so der Betroffene. Darum geht es dann aber bei einer Therapie: Alternativen erarbeiten, ins Leben zurückfinden.

Suchtklinik hilft zurück ins Leben

Das hat der Betroffene geschafft. Durch einen Aufenthalt in einer Suchtklinik, durch Beratungsgespräche in der drob. Und durch eigenen Willen. „Ich habe mir selbst Regeln aufgestellt, um nicht wieder abzurutschen.“ Inzwischen macht der 21-Jährige eine Ausbildung und hat die Medienabhängigkeit zumindest soweit im Griff, dass sie sich nicht auf sein komplettes Leben auswirkt. „Aber das ist ein langer und harter Weg. Das Schwierigste ist der erste Schritt, bei dem man sich selbst eingestehen muss, dass man ein Problem hat“, sagt Popp.

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