Delmenhorst - Eine anonyme Urnenbestattung ist für viele eine beängstigende Vorstellung. Für andere eine schöne. Denn die Verwandtschaft soll nicht gezwungen sein das Grab zu pflegen. Immerhin sind Freunde und Verwandte beim Abschiednehmen dabei und begleiten den Verstorbenen.

Dass das nicht die Norm ist, wissen die Frauen, die einmal im Monat bei der Andacht der anonymen Urnenbestattung dabei sind. Die Andacht findet jeden ersten Montag im Monat in der Kapelle des Friedhofs Bungerhof statt. „Es macht betroffen zu sehen, dass bei unseren Andachten nur sehr selten Angehörige dabei sind“, sagt Elisabeth Ahrens. Die Frauen, die sowohl katholisch als auch evangelisch sind, begleiten diejenigen, denen sonst niemand mehr bleibt. Seit rund sieben Jahren gibt es diese ehrenamtliche Begleitung.

Gründe für eine anonyme Bestattung gibt es viele. Oftmals war es nicht der Wunsch der Verstorbenen, sondern die einzig mögliche Art der Bestattung. „Es sind Menschen jeden Alters dabei. Einige hatten keine Familie mehr oder schlicht und einfach zu wenig Geld. Das Sozialamt übernimmt dann die Kosten“, sagt Barbara Stolberg.

„Es ist unerträglich, dass jemand in dieser Art und Weise – einsam – von der Welt geht“, sagt sie. Den Frauen gehe es um den Respekt und die Würde der Verstorbenen. Mit ihrer Anwesenheit bei der Andacht wollen sie ein Zeichen setzen: „Wir gehen mit dir!“

Die Andacht hält jedes Mal ein anderer, zugeteilter Pfarrer oder Pastor. Die Frauen sind hingegen jeden Monat vor Ort, schmücken den Altar, zünden Kerzen an und spielen Musik. Auch beten sie für die Verstorbenen, die sie gar nicht kannten. Drei bis sechs Urnen werden allmonatlich auf diese Weise beigesetzt. Name, Geburts- und Sterbedatum sind die einzigen Informationen, die Aufschluss über die Person in der Urne geben. Weitere Informationen aus dem Leben der Verstorbenen gibt es nicht. Ruth Kowalski, Elisabeth Ahrens, Brigitta Lobenstein, Hildegard Charzinski und Barbara Stolberg gehe es um den niveauvollen Rahmen der Beerdigung. „Wenn wir alles geschmückt haben, ist es fast wie eine normale Andacht“, sagt Brigitta Lobenstein. In ihrem Bemühen sind die Frauen allerdings nicht alleine. Oberbürgermeister Axel Jahnz unterstützt die anonyme Urnenbestattung, damit jeden Monat ein neues Blumengesteck auf dem Altar stehen kann. Seit kurzem hilft auch ein Blumenhändler vom Wochenmarkt. Außerdem gibt es immer wieder private Spenden, die die Gruppe erreichen. Dafür kaufen die Frauen beispielsweise Kerzen.

Nach der Andacht wird die Asche der Verstorbenen auf dem anonymen Gräberfeld des Friedhofs bestattet. Wer sich der Trauerbegleitung anschließen oder die Gruppe unterstützen möchte, kann sich unter t   0152/11030843 melden.