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NWZonline.de Region Delmenhorst

Damit Kinder nicht vereinsamen

20.07.2019

Delmenhorst Kinderarmut: Da denkt jeder an finanzielle Nöte. Anders sieht es aus, wenn es um emotionale Kinderarmut geht. Damit ist Vereinsamung gemeint. Wenn Kinder nicht genügend Aufmerksamkeit und Zuwendung bekommen. Diesem Thema widmete der Deutsche Kinderschutzbund in Delmenhorst einen Gesprächskreis. Dabei wurden allen Beteiligten vor allem zwei Dinge deutlich: Das Thema ist gar nicht so leicht zu fassen. Und: Nur darüber zu sprechen, bringt noch nichts.

„Es ist ein gesellschaftliches Problem“, sagte der Vorsitzende des Kinderschutzbundes Delmenhorst, Jörg Bernhardt. Von DLRG, Rettungskräften und Polizei hört er immer wieder ähnliche Geschichten: Das Kind spielt auf Klettergerüsten oder an einem Badesee, die Aufsichtsperson ist mit ihrem Handy beschäftigt, zack! passiert ein Unfall. Bernhardt fragt: „Was ist mit der Aufmerksamkeit?“

„Emotionale Kinderarmut können wir nicht mit Geld heilen“, sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag. Zwar seien die 30 Prozent aller Kinder, die in Delmenhorst von Harz IV leben, ebenfalls eine Baustelle, die Vereinsamung von Kindern aber ziehe sich durch alle Schichten. „Anteilnahme ist wichtig. Unsere Gesellschaft ist häufig so individualisiert, so ichbezogen. Wir müssen unseren Blick wieder weiten und andere wahrnehmen“, darauf machte Kinderschutzbund-Mitglied Elke Schaffarzyk aufmerksam. Das betonte auch Mittag: Im Zentrum stehe, das „Kümmern umeinander“ zu verstärken.

Ungeklärt bleibt: Wie soll das geschehen? Mittag hat da eine Richtung: „Klar ist, hier kann nicht nur ein Einzelner etwas bewirken. Alle müssen ein bisschen dazu beitragen.“ Bernhardt hat dafür eine Idee: „Wir sollten die Kinder fragen: Was ist euch eigentlich wichtig? Sie so zu eigenen Entscheidungsträgern machen.“ Das Problem dabei sei jedoch, dass sie zu den Kindern, die wirklich zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, gar nicht so leicht einen Zugang finden: „Wir müssen es schaffen, Kinder zu erreichen, die ja gerade noch nicht Teil von Projekten und sozialen Gruppen sind“, sagte SPD-Landtagsabgeordneter Deniz Kurku.

Wie das? Ein Schlüsselwort dabei nannte die SPD-Stadträtin Inge Böttcher: „Das geht nur über Vertrauen.“ Wichtig sei es jetzt, das ganze nicht zu formalisieren und zu sagen: Irgendein Amt wird sich drum kümmern. Außerdem müsse im sozialen Umfeld die Bereitschaft wachsen, über solche Dinge sprechen zu können.

Alle sind sich einig gewesen: Es müssen menschennahe Projekte her. Und zwar nicht von oben herab, als Anordnung irgendeiner Behörde oder eines Verbandes, sondern aus Eigeninitiative ganz konkret vor Ort. „Ich glaube, dass es Menschen hier in Delmenhorst gibt, die wirklich etwas ändern wollen, aber nicht Mitglied in einem Verein oder einer Verwaltung sind“, sagte Bernhardt.

Er und alle im Gesprächskreis rufen also auf: Wer eine Idee hat, die die Menschen wieder aufmerksamer für das Miteinander macht, kann sich melden und aktiv werden. Handyverbote in Kitas, damit die Eltern auch bewusst Tschüss zu ihren Kindern sagen und sie nicht einfach nur abgeben, ist nur eine Idee. Aber eigentlich wollten sie nicht mit Verboten arbeiten, mehr mit neuen Möglichkeiten, sagt Bernhardt. Vielleicht findet der eine oder andere ja eine passende Aktion.

Dass das nicht von heute auf morgen geht, ist allen bewusst. „Es wird ein schleichender Prozess sein“, sagte Mittag. Klar ist: „Wir können nicht nur wieder einen runden Tisch machen“, sagte Kurku. Taten sollen jetzt folgen.

Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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