Delmenhorst - Wie ist es, wenn man einem fremden Menschen die Zähne putzt? Wie funktioniert ein Blutdruckmessgerät? Und wie fühlt es sich eigentlich an, wenn man ein alter Mensch ist? Diese und weitere Fragen konnte der Workshop „ZukunftsMarkt Pflege“ in den Räumen des Jobcenters Am Wollelager mit 33 eingeladenen Frauen und Männern mit ausländischen Wurzeln im Alter von 23 bis 52 Jahren beantworten, bei dem die Chancen auf dem Arbeitsmarkt in Pflegeberufen vorgestellt wurden.
Organisiert wurde die Veranstaltung vom Jobcenter Delmenhorst und der Arbeitsagentur Oldenburg. Unterstützung kam vom Projekt „Pflege Connection unterwegs“ des Netzwerkvereins Gesundheitswirtschaft Nordwest. „Wir führen regelmäßig Veranstaltungen für spezielle Zielgruppen durch. In diesem Jahr geht es um den Pflegebereich, weil dort viele Kräfte benötigt werden“, sagt Miriam Steinmeier, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beim Jobcenter.
Das Projekt „Pflege Connection unterwegs“ hat sich zum Ziel gesetzt, das Image von Pflegeberufen zu verbessern und mehr Menschen in der Region für Berufe in der Pflege zu begeistern. Zielgruppen der Veranstaltungen sind neben jungen Menschen auch Umschüler, Migranten und Wiedereinsteiger.
Organisiert wird das Projekt über die eigene Internetseite und soziale Medien wie Facebook.
Definitive Jobgarantie
Dass der Workshop für Menschen mit Migrationshintergrund durchgeführt wird, hänge damit zusammen, dass diese es auf dem Arbeitsmarkt besonders schwer hätten. „Bei uns erhalten die Teilnehmer einen Zugang über die Praxis, hier wird nicht nur theoretisch erzählt, sondern am eigenen Leib erfahren. Wir haben mit dieser unmittelbaren Ansprache sehr gute Erfahrungen gemacht“, erzählt Anne von der Lieth-Schaper vom Jobcenter. Die Besonderheit im Pflegebereich sei, dass es in allen Bereichen vom Pflegeleiter bis zur Aushilfe Bedarf gebe, sagt Heike Loers von der Bundesagentur für Arbeit: „Es gibt eine definitive Jobgarantie.“
Insgesamt sieben Stationen sind aufgebaut und werden von Mitarbeiterinnen der „Pflege Connection unterwegs“ betreut. „Die Teilnehmer konnten hier in kleinen Gruppen erproben, ob die Tätigkeit in der Pflege etwas für sie ist“, erklären Projektleiterin Catrin Ortmann-Lekzick und Assistentin Sofia Steinberg. In einem „Altersanzug“ lässt sich das Körpergefühl eines 80-Jährigen nachempfinden, die Babypuppe „Doro“ wird gewickelt sowie Puls und Blutdruck gemessen oder in einem Gehälterquiz herausgefunden, dass Pflegeberufe nicht wie von vielen vermutet schlecht bezahlt werden. „Wir wollen ein klares Bild von der Pflege vermitteln und mit negativen Vorurteilen aufräumen. Ziel ist es, den Fachkräftemangel in diesem Bereich zu beheben“, sagt Ortmann-Lekzick.
Förderung möglich
An einem Pflegetisch werden übliche Tätigkeiten wie Essen anreichen, Haare kämmen und Zähne putzen vorgestellt. Dort probieren Marziya Rajabi und Aureia Maria Enea aus, wie der Alltag in einem Pflegeberuf aussehen könnte. „Ich habe Interesse an diesem Beruf und möchte eine Ausbildung machen“, sagt die 34-jährige Rajabi, die aus Afghanistan stammt. Sogar bereits als Pflegerin gearbeitet hat Enea. „Heute informiere ich mich und schaue mir das an. Ich will eine Ausbildung beim Institut für Weiterbildung (IWK) machen“, meint die 35-jährige Rumänin.
Damit der Effekt des Workshops nicht verpufft, werden die Teilnehmer nachbegleitet. „Wir bieten viele Assistenzmöglichkeiten wie Sprachförderung oder finanzielle Unterstützung an“, sagt Miriam Steinmeier. Das gelte auch für deutsche Jobsuchende.
