Delmenhorst - Herbert Frommeyer ist in seinem Berufsleben weit herumgekommen. Als Werkstoff-Ingenieur bei Airbus in Bremen („angefangen habe ich bei VFW-Fokker“) unternahm er unter anderem Geschäftsreisen in die USA. Ende der 90er Jahre war der heute 67-Jährige dienstlich in Minneapolis/Minnesota, bei einem Airbus-Zulieferunternehmen. Nachdem das Geschäftliche abgearbeitet war, beschlossen Frommeyer und Kollegen, die Restzeit zur Erkundung der Umgebung zu nutzen. „Wir fuhren nach Duluth am Superior Lake, dem größten der großen amerikanischen Seen. Die Bilder aus Duluth haben bei mir bestimmt zehn Jahre in der Schublade gelegen, und dann hab’ ich’s herausgefunden!“

Frommeyer, der mit seiner Familie aus dem Raum Osnabrück nach Delmenhorst zugezogen ist, war der Name „Fitger“ kein Begriff. Zunächst jedenfalls. Als er dann doch von dem aus Delmenhorst stammenden Malerfürsten Arthur Fitger hörte, klingelte es bei ihm. Da war doch diese alte Brauerei am Ufer des Superior Lake in Duluth, in deren Schornstein in überdimensionalen Lettern der Name „Fitger“ stand? Sollte es eine Verbindung geben? Frommeyer traf mit seiner Vermutung ins Schwarze, er hatte durch Zufall die Brauerei von August Fitger entdeckt. August, ein jüngerer Bruder des Künstlers, wurde am 21. Oktober 1854 in Delmenhorst im alten Fitgerhaus geboren. Als 17-Jähriger wanderte er auf Bitte seiner Schwester Elfrieda, die mit ihrer Familie in einer Kleinstadt im US-Bundesstaat Wisconsin lebte, aus und arbeitete dort in Brauereien. 1877 kehrte er nach Deutschland zurück, um in Weihenstephan eine Ausbildung zum Braumeister zu machen.

Wieder in Amerika, wurde er Teilhaber einer Brauerei in Duluth am Lake Superior, einer Stadt von der Größe Delmenhorsts. Die Brauerei nannte sich nun „A. Fitger & Co. Lake Superior Brewery“, später „Fitger Brewing Company“. Er leitete die Brauerei zusammen mit Percy Anneke, einem Sohn deutscher Auswanderer. Bis in die 70er Jahre hinein war sie in Betrieb.

„Die großen amerikanischen Bierbarone waren alle deutsche Auswanderer. Fitger war einer von vielen“, erzählt Frommeyer. Wenn das einer wissen muss, dann er. Frommeyer hat in einem Haus in der Delmenhorster Humboldtstraße ein kleines Brauereimuseum aufgebaut, kennt sich mit regionaler Brauereigeschichte – und nicht nur mit dieser – bestens aus. Wer das kleine Museum besuchen will, kann sich bei Frommeyer unter t 0176/54532928, per E-Mail unter info@h3-bierwelt.de melden.

  Wie die anderen deutschen Braumeister hatte sich August Fitger auf helles, untergäriges Bier spezialisiert, dessen Gärung bei niedrigen Temperaturen abläuft. Damit traf er den Zeitgeschmack. Innovationen gegenüber erwies sich Fitger als aufgeschlossen: Als eine der ersten Brauereien schaffte die Fitger Brewing Company Eismaschinen an und stellte schon 1885 auf Flaschenabfüllung um. Frommeyer: „Das war eine große Brauerei, und die ist auch jetzt noch beliebt.“

Als die Prohibition kam, wurde die Produktion auf Brausegetränke und Süßigkeiten-Riegel umgestellt. In den späten 20er Jahren wandte sich Fitger anderen Geschäften zu und zog nach Kalifornien um. August Fitger starb am 14. August 1933.

Sucht man im Internet nach August Fitger, landet man nur eine Handvoll Treffer. Im Wikipedia-Eintrag zu Arthur Fitger ist der jüngere Bruder nicht einmal erwähnt. Und in der Städtischen Galerie Delmenhorst, die eine große Fitger-Sammlung ihr Eigen nennt, unter anderem mit Porträts von Familienmitgliedern, findet sich auch keine Spur von ihm.

Ganz anders die Erinnerungskultur in Duluth: Der Brauerei-Komplex wurde 1984 wiedereröffnet und beherbergt heute ein Hotel, Geschäfte, drei Restaurants, ein Brauhaus und ein Fitger-Museum.