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NWZonline.de Region Delmenhorst

Vom Leben eines Widerständlers

21.08.2019

Delmenhorst /Ganderkesee Er war Kommunist, Gefangener, Exilant, Bauingenieur und Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg: Albert Goldenstedt. Seine Schwiegertochter Dr. Christiane Goldenstedt verfasste nun ein spannendes Buch über den Delmenhorster.

„In der Familie hat er fast nie über die Zeit im Widerstand geredet“, weiß Christiane Goldenstedt. Sie ist 64 Jahre alt und war vor ihrer Pensionierung als Oberstudienrätin am Gymnasium in Ganderkesee tätig. Die Historikerin schrieb schon ihre Dissertation über den Widerstand: „Les femmes dans la résistance“ (Die Frauen im Widerstand), lautete der Titel ihrer Arbeit. Sie promovierte in Französisch und Geschichte.

Durch ihre Doktorarbeit entdeckte die Ganderkeseerin ihr Interesse am deutschen Widerstand. Immer besser konnte sie dabei nachvollziehen, „wie gefährlich dieser Widerstand war“. So schien es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie sich mit dem Widerständler aus der angeheirateten Familie befasste.

Albert Goldenstedt wurde 1912 in Varrel (Stuhr) geboren und wuchs in armen Verhältnissen auf. Durch eine Förderung konnte er ein Studium zum Bauingenieur in Oldenburg beginnen. In der Zeit trat er der KPD (Kommunistische Partei Deutschlands) bei. Noch 1933, im Jahre der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, verteilte Goldenstedt marxistische Schriften an seine Kommilitonen und hielt kommunistische Reden in Studentenkreisen. Während seiner Examensprüfung wurde er zum ersten Mal verhaftet.

Leben im Exil

Es folgten Aufenthalte in den Niederlanden und in Belgien. 1938 wurde er offiziell ausgebürgert, man entzog ihm die deutsche Staatsbürgerschaft. In Groningen wurde er 1940 von der Gestapo verhaftet, und in Bremen verurteilte man ihn zu sechs Jahren Zuchthaus. 1943 kam er in die Strafdivision, musste also unter Zwang für die Nazis in den Krieg ziehen. Bei der Befreiung 1945 befand sich Goldenstedt auf der griechischen Insel Leros.

Er distanzierte sich dann von der KPD und engagierte sich in der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“. In Delmenhorst fand er eine Heimat, dort lebte bereits seine Schwester. Er holte das Examen nach und gründete eine eigene Baufirma, mit der er sich für sozialen Wohnungsbau einsetzte. „Vielen Delmenhorstern ist eher der Bauingenieur als der Widerständler in Erinnerung“, sagt Christiane Goldenstedt. Er prägte unter anderem die Adalbert-Stifter-, die Amalien-, die Chemnitzer-, die Elisen- und die Hedwigstraße.

Für das Buch durchforstete die Historikerin zahlreiche Archive. „Ein besonderes Erlebnis war der Besuch im Bundesarchiv in Berlin“, erinnert sie sich. Im Staatsarchiv Bremen fand sie das Original des Gerichtsurteils. Darin wird die Einweisung des Schwiegervaters ins festgelegt. Weitere Quellen waren unter anderem das Nationalarchiv Brüssel, die Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, die Staatsarchive in Sachsen und in Oldenburg sowie viele Fotos von Familienmitgliedern.

Vier Jahre lang schrieb die Ganderkeseerin an dem Buch. Die Beschaffung der Quellen habe teilweise sehr lang gedauert; bis zu einem Jahr musste sie manchmal auf Post aus den Archiven warten. Zudem sei es ihr schwer gefallen, zu entscheiden, wie viel Privates in dem Buch veröffentlicht werden sollte.

Über das Privatleben

„Ich habe mich dann auf den Widerstand fokussiert“, sagt Dr. Christiane Goldenstedt. Das Privatleben hält sie im Buch bewusst kurz. Der Widerständler als Familienmensch wird der Ganderkeseerin aber ebenfalls in Erinnerung bleiben. „Er war sehr charismatisch und konnte gut mit Menschen umgehen. Ich glaube das hat ihm auch häufig das Leben gerettet.“ Als einen sehr sportlichen und sehr willensstarken Menschen hat Christiane Goldenstedt ihren Schwiegervater in Erinnerung. „Aber er war auch ein Mensch, der seine Distanz brauchte.“ Nachdem die Ganderkeseerin nun weiß, was ihr Schwiegervater alles durchstehen musste, könne sie das besser verstehen.Am 11. August 2019 war es genau 25 Jahre her, dass Albert Goldenstedt verstarb.  Das Buch „Albert Goldenstedt – Ein Delmenhorster im antifaschistischen Widerstand“ von Christiane Goldenstedt erschien im Isensee- Verlag und kostet 16 Euro.

Freya Adameck Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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