Delmenhorst - Hat Gary Zörner „populistisch und verantwortungslos“ gehandelt, als er wegen einer Belastung mit dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat vor dem Trinken von Delmenhorster Leitungswasser gewarnt hat? Die Stadtwerkegruppe meint das. In einer Reaktion auf die Aussage des Chefs des Delmenhorster Labors für Chemische und Mikrobiologische Analytik (Lafu), über die in dieser Zeitung berichtet wurde („Zörner: Leitungswasser nicht trinken“, NWZ vom 16. Juni) spricht Stadtwerke-Sprecherin Britta Fengler von „falscher Panikmache“. Damit würden die Kundinnen und Kunden der Stadtwerkegruppe verunsichert.

„Trinkwasser ist das am schärfsten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. Auch das Delmenhorster Trinkwasser aus dem Wasserwerk Annenheide wird regelmäßig geprüft und ist unter anderem für die Säuglingsernährung bestens geeignet“, so die Stadtwerke-Sprecherin. Die Gruppe weise jegliche Kritik von sich, „da einfach nur schlampig recherchiert wurde“. Verunsicherte Kundinnen und Kunden könnten bei Fragen jederzeit auf die Stadtwerke zukommen.

Zörner hatte darauf hingewiesen, dass laut Trinkwasserbericht 2017 der Stadt und der Stadtwerkegruppe eine Glyphosatkonzentration im Trinkwasser von weniger 0,04 Mikrogramm pro Liter festgestellt worden sei. Das läge zwar unter dem Grenzwert, sei aber dennoch bedenklich. Die Stadtwerkegruppe relativiert allerdings die Messung. Fengler: „Der dort aufgeführte Wert (...) stellt lediglich die Bestimmungsgrenze der Labore dar, d.h. man ist gar nicht in der Lage, noch niedrigere Werte nachzuweisen. Im Trinkwasser der Stadtwerke Delmenhorst ist bislang noch kein Glyphosat nachgewiesen worden.“

Der Lafu-Chef indes bleibt bei seiner Warnung – und verweist auf Seite 30 des Trinkwasserberichts. Dort stehe der Satz „Stoffe, die natürlicherweise nicht im Wasser vorkommen, wie z.B. Pflanzenschutzmittel, sind nicht oder bei Glyphosat nur in geringen Konzentrationen nachweisbar (...).“ Zörner: „Jetzt tun sie so, als ob es diesen Bericht nicht geben würde. Das ist der Versuch der Manipulation von Realitäten. Sie verdrehen ihre eigene Veröffentlichung.“