Delmenhorst - Wenn die Mitarbeiter des Jobcenters ihre Wasserflasche ausgetrunken haben, geben sie diese in den Pfandautomaten – jedoch nicht, ohne vorher den Deckel abgeschraubt und in eine Sammelkiste geworfen zu haben. „Wir sammeln die Plastikdeckel für den guten Zweck“, erklärt Andreas Koplin, Mitarbeiter beim Jobcenter Delmenhorst.
Mitglieder einiger Rotary-Clubs in Deutschland haben den Verein „Deckel drauf“ gegründet. Dieser stellt Informationen zum Deckelsammeln zur Verfügung. Die Sammler geben diese dann an verschiedenen Abgabestellen in ganz Deutschland ab. Die Deckel enthalten wichtige Rohstoffe, werden daher von der Industrie gebraucht und aufgekauft. Von diesem Geld werden dann Impfungen gegen Polio (Kinderlähmung) in Entwicklungsländern bezahlt.
„Als ich von dieser Aktion gehört habe, hatte ich die Idee, auch bei uns Sammelkisten aufzustellen“, berichtet Koplin. Geschäftsführer Frank Münkewarf war sofort begeistert ob des sozialen Engagements seiner Mitarbeiter. Er stellte lediglich die Bedingung, dass mehrere an der Organisation beteiligt sein müssen. Daran sollte die Aktion jedoch nicht scheitern, im Gegenteil: „Viele haben Verantwortung übernommen und jedes Team hat einzeln gesammelt. So entstand sogar ein Wettkampf darum, welches Team mehr Deckel sammelt“, sagt Philipp Nixdorf. Insgesamt waren 155 Mitarbeiter beteiligt, oftmals haben die Familie und Freunde mitgesammelt.
Die Infoposter wurden überall im Haus verteilt und eine Litfaßsäule im Sozialraum aufgestellt: „Mitunter landeten auch Deckel in den Boxen, die zu groß oder aus einem anderen Material sind oder die Vorgaben vom Verein haben sich geändert“, berichtet Nixdorf. Doch mit der Zeit habe sich dies eingespielt und nun wüssten die Kollegen, was in die Boxen gehört und was nicht.
Nach einem Jahr haben die Mitarbeiter des Jobcenters rund 100 Kilogramm Plastikdeckel gesammelt. Geht man von einem Gewicht von einem Gramm pro Deckel aus, entspricht dies 100 000 gesammelten Deckeln. 500 Gramm des Kunststoffes werden benötigt, um eine Polio-Impfung zu finanzieren. Somit wurden bereits rund 200 Kinder aufgrund der beim Jobcenter gesammelten Deckel geimpft.
