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NWZonline.de Region Delmenhorst

„Gesundheitshelfer“ für soziale Brennpunkte

23.12.2017

Delmenhorst /Hannover Ein Pilotprojekt der Ersatzkassen in Niedersachsen und der Diakonie Delmenhorst/Oldenburg-Land hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Gesundheit sozial benachteiligter Familien zu fördern. Dabei sollen bis 2020 regelmäßige Gesundheitstreffen in den Delmenhorster Stadtteilen Wollepark, Düsternort und Hasport etabliert werden. Die Umsetzung des Modellversuchs übernimmt das Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung (DIG). Die Ersatzkassen tragen 167 000 Euro der Kosten, die sich insgesamt auf 202 000 Euro belaufen.

Gesundheitstreffen

„Das Präventionsgesetz hat die Krankenkassen beauftragt, gesundheitsfördernde Angebote noch gezielter an diejenigen zu richten, die sozial bedingt ungünstigere Gesundheitschancen haben als andere. Diese Menschen wollen wir in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld ansprechen“, sagt der Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Niedersachsen, Jörg Niemann. Die Ersatzkassen – die Techniker-Krankenkasse, die Barmer, die DAK-Gesundheit, die Kaufmännische Krankenkasse, die Handelskrankenkasse und die Hanseatische Krankenkasse – hätten sich entschlossen, Erfolg versprechende Maßnahmen mit dieser Zielsetzung auch gemeinsam zu fördern.

Kernidee des Projekts sind regelmäßige Gesundheitstreffen im Stadtteil. Dafür werden Räume der Nachbarschaftsbüros der Diakonie genutzt. Auf Basis einer Bedarfsanalyse sollen passgenaue Angebote etwa in den Bereichen Ernährung und Bewegung gestaltet und sozial benachteiligten Familien durch Ernährungsberater, Sportpädagogen und anderes Fachpersonal vermittelt werden. Darüber hinaus wird angestrebt, „Gesundheitshelfer“ aus dem jeweiligen Lebensumfeld zu qualifizieren, die die Familien über die Projektlaufzeit hinaus unterstützen. Die Teilnahme ist für die Familien kostenfrei.

„Gemeinsam mit den Menschen aus den Quartieren Angebote zu entwickeln, erhöht die Chancen einer nachhaltigen Verbesserung der gesundheitlichen Lage. Besonders wenn Möglichkeiten aufgezeigt werden, die sich auch ohne zusätzliche finanzielle Mittel umsetzen lassen“, sagt Franz-Josef Franke, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg-Land.

Schwierige Lebenslagen

Das DIG verfügt über fast zwanzigjährige Erfahrung in der Gesundheitsförderung mit den Schwerpunkten Familie und Kinder. Es pflegt nationale und internationale wissenschaftliche Kooperationen. Ziel aller Bemühungen ist es, unter Einbindung der Akteure vor Ort neue Ansätze zu entwickeln und die Teilhabe zu fördern. „Gesundheitsförderung für und mit Menschen in schwierigen Lebenslagen ganz unterschiedlicher Ursachen ist eine große Herausforderung, aber auch eine Chance, die teilweise massiven gesundheitlichen Benachteiligungen zu mildern“, sagt Dr. Johann Böhmann, Leiter des DIG.

Die soziale Lage eines Menschen nimmt Einfluss auf seine Gesundheit. So sind sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zum Beispiel weniger sportlich aktiv und zeigen ein tendenziell ungünstigeres Ernährungsverhalten. Gleichzeitig nutzen Familien mit niedrigem Sozialstatus weniger gesundheitsbezogene Leistungen als andere.

Ersatzkassen und Diakonie sehen einen besonderen Bedarf für ihr Engagement in der Stadt Delmenhorst, weil diese einen besonders hohen Anteil an sozial benachteiligten Einwohnern und Menschen mit Zuwanderungsgeschichte hat.

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