Delmenhorst - Wie verlief die Schlussphase des Zweiten Weltkrieges in Delmenhorst? Mit diesem Schwerpunkt hat sich der Heimatverein in seinem diesjährigen Jahrbuch auseinandergesetzt.
Normalerweise gibt es kein festgelegtes Thema in den Veröffentlichungen des Delmenhorster Vereins. „In diesem Jahr haben wir aber sehr viele Beiträge zur Schlussphase des Weltkrieges und der Nachkriegszeit erhalten, dass wir uns dazu entschieden, den Fokus darauf zu legen“, sagt Vorsitzender Friedrich Hübner.
Ortsbezogene Themen
In 15 Artikeln auf gut 120 Seiten werden zeitgeschichtliche orts- und regionalbezogene Themen abgedruckt. Von Propaganda-Flugblättern bis hin zur Flüchtlingsgeschichte und dem städtischen Friedhof sind viele Aspekte aufgegriffen worden. 13 Autoren waren an dem Buch beteiligt.
Der Befreiung der Juden aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern vor 75 Jahren widmete sich Herta Hoffmann, die eine Annäherung an die Werke von Dr. Enno Meyer und Julius Kuflik machte. Sie macht in ihrem Werk den Leidensweg der jüdischen Bürger deutlich. Über Kuflik schreibt sie, dass er „das unvorstellbare Grauen von fünf Konzentrationslagern und mehreren Todesmärschen erleiden“ musste.
Zeitzeugen im Gespräch
Auch eine Studentin war an dem diesjährigen Jahrbuch beteiligt: Lynn Pia Mühlmeister schrieb über die Flüchtlingsintegration in Delmenhorst nach 1945. Dafür sprach sie im Rahmen ihrer Bachelorarbeit mit zehn Zeitzeugen unter anderem über Heimatbewusstsein, Kindheitserinnerungen und das Suchen nach einem neuen Zuhause. Neue Erkenntnisse über die Erkrankungen, die im Fabrikkrankenhaus auf der Nordwolle von 1890 bis 1928 existierten, erläutert Ärztin Ulrike Wendt. Sie entdeckte im Laufe ihrer Arbeit, dass es damals Milzbranderkrankungen unter den Arbeitern gegeben hat, was durchaus relevant für gegenwärtige Forschung sein kann.
Gegründet wurde der Heimatverein Delmenhorst im Jahr 1923.
Erster Vorsitzender Georg von Lindern prägte von 1930 an 45 Jahre lang als Erster Vorsitzender das Vereinsleben.
Zentrale Anliegen des Vereins sind die Förderung der Kunst und Kultur sowie der Heimatpflege und der Heimatkunde.
Seit 1996 gibt es die Heimatjahrbücher. Kooperationspartner des Vereins sind das Fabrikmuseum, das Stadtmuseum und die Volkshochschule.
Trotz der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie will der Heimatverein seine Arbeit so gut es geht wieder vollständig aufnehmen. Dazu soll nach 20 Jahren im Herbst die Reihe Delmenhorster Schriften wieder erscheinen.
Im nächsten Jahrbuch könnte es um das Thema „650 Jahre Stadtrecht“ in Delmenhorst gehen, gibt Hübner preis. Das Heimatjahrbuch erscheint neuerdings wieder im Isensee-Verlag und kostet 12,50 Euro.
