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Initiative Weniger Stadttauben – aber wie?

Sascha Sebastian Rühl

Delmenhorst - 119 Tauben wurden im Jahr 2016 bei Jagden in Delmenhorst und umzu getötet. Einmal im Jahr dünnt der Hegering Delmenhorst damit die Population der Stadttauben aus.

Einen anderen Weg will die jetzt neu gegründete Delmenhorster Ortsgruppe des Vereins Stadttauben Bremen gehen (die NWZ berichtete). Für sie sind die oft ungeliebten Vögel schutzbedürftige Tiere. Stadttauben fänden als Abkömmlinge der Brieftaube keine artgerechte Nahrung und seien von ständiger Hungersnot geplagt, Fehlernährung sorge für den Kot, der auch Stein angreift.

Für ihr Projekt, einen betreuten Taubenschlag zur Senkung der Population, erhielten sie bei der Gründungsveranstaltung nach eigenen Angaben viel Zuspruch.

Eierraub als Lösung

„Auch Mitglieder des Tierschutzvereins und des Brieftaubenvereins hörten sich interessiert an, wie die – sich am Augsburger Modell orientierende – Errichtung eines betreuten Taubenschlags aussehen kann“, teilen die Gründer Henning Suhrkamp sowie Julia und Mischa Reddig mit. In dem geplanten Taubenschlag sollen echte Eier gegen Gipseier ausgetauscht und so der Bestand erheblich verringert werden. Die Tauben hielten sich die meiste Zeit des Tages darin auf, anstatt auf der Straße, denn im Taubenschlag gebe es dann Futter. „ Durch die artgerechte Unterbringung und Versorgung verschwinden die Tauben somit aus dem Stadtbild“, erklärt Suhrkamp.

„Ich denke nicht, dass so etwas so schnell umzusetzen ist“, findet Sylke Boers-Stoffels, Leiterin des Hegerings Delmenhorst, der mit der jährlichen Jagd für die Bestandskontrolle sorgt. Der Hegering müsse in die Planung eines Taubenschlags mit einbezogen werden – eine Anfrage habe es bisher aber nicht gegeben. „So eine Entscheidung kann nicht mal eben schnell fallen.“ Es gebe viele Kriterien, die berücksichtigt werden müssten, auch der Kreisjägermeister müsse mit einbezogen werden.

Die Jagden seien bisher erfolgreich gewesen. „Wir haben mal unter hundert, mal über hundert oder bis 200 Tauben gehabt. Das war bisher von Erfolg gekrönt und wir sind damit zufrieden“, betont die Hegeringsleiterin. Ein Problem sei allerdings die Ausbreitung der Vogelgrippe. In diesem Jahr sei die Jagd ausgefallen, um eventuell infizierte Wildvögel nicht aufzuscheuchen. Ob die Jagd Anfang 2018 ausfallen müsste, soll nun in der kommenden Woche beraten werden.

Kritik an Konzept

„Ich weiß nicht, wie die sich das vorstellen“, sagt Hans-Peter Romanek, Vorsitzender des Brieftaubenvereins Gut Flug Delmenhorst. Dass sich alle Tauben der Stadt in einen Schlag begeben würden, halte er für unmöglich. „Das ist utopisch, da müssten sie schon 50 aufbauen und die zweimal am Tag reinigen.“ Er halte seit 50 Jahren Brieftauben, jedes Paar benötige anderthalb Quadratmeter. „Den Schlag möchte ich sehen“, in welchem alle Delmenhorster Straßentauben Platz finden würden. „Und wo soll der stehen?“ Ärger mit Anwohnern sei vorprogrammiert, da im Umkreis des Schlags alle Dächer voller Tauben – und Kot – sein würden.

Im Moment favorisiere die Gruppe drei Standorte, erklärt Henning Suhrkamp: das Oberdeck des City-Parkhauses, das Dach der Hertie-Immobilie oder die Graft. Nun werde ein neuer Antrag ausgearbeitet, indem auch die Zuständigkeiten verteilt sein sollen. „Tierschützer kümmern sich um die Versorgung der Tauben, die Kaufleute könnten sich an der Finanzierung beteiligen“, erklärt Suhrkamp das Konzept.

Geplant sei ein Schlag für 300 Tauben. „So groß wird das nicht. Wir brauchen 20 bis 25 Quadratmeter für 150 Tauben.“ Er orientiere sich an Erfahrungen aus Augsburg.

Die Tierschützer haben einen Plan ausgearbeitet, wie es nun weiter gehen soll. Am 16. Dezember ist eine Aktion mit Taubenkostümen in der Fußgängerzone geplant, um die Öffentlichkeit aufzuklären. Am 11. Januar sollen alle Tierschützer, die Brieftauben- und Geflügelzuchtvereine und auch der Hegering zum Stammtisch eingeladen werden. Im Februar sollen die Kaufleute in der Innenstadt ins Boot geholt werden.

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