Delmenhorst - Die Anzahl der Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten in Delmenhorst steigt. Um den entgegenzuwirken, und vor allem den Kindern eine kompetente Betreuung in integrativen Kitas zukommen zu lassen, bieten die Lebenshilfe und die Akademie der Reha-Berufe ab September eine Weiterbildung für Pädagogen an. „Die neue Fortbildung ,Heilpädagogische Zusatzqualifikation für die Arbeit in integrativen Kindertagesstätten‘ richtet sich an Erzieher und Sozialpädagogen im heilpädagogischen Kontext“, sagt Erwin Drefs, Vorstandsmitglied der Lebenshilfe im Landesverband Niedersachsen und Sprecher der Trägerarbeitsgemeinschaft Kindertagesstätten in Delmenhorst. „Eine Weiterbildung für Pädagogen in Zeiten der Inklusion ist essenziell.“ Prof. Dr. Marie-Christine Vierbuchen, Jungprofessorin Inklusive Bildung an der Uni Vechta, sagt: „Viele Kinder sind mit ihrem sozialen Umfeld überfordert und normalen Anforderungen, wie Freundschaften knüpfen, nicht mehr gewachsen. Sie reagieren dann beispielsweise schneller aggressiv.“ Genau an diesem Punkt brauche es qualifizierte Pädagogen, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder eingehen können, meint sie.
Ein weiteres Problem stelle der Fachkräftemangel in sozialen Einrichtungen dar. Es sei schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden. Häufig seien deshalb die zu betreuenden Gruppen zu groß, meint Holger Stolz, Landesgeschäftsführer der Lebenshilfe Landesverband Niedersachsen und der Akademie für Reha Berufe. „35 Prozent der Unternehmen stellen fest, dass sie kein Personal mehr bekommen. Dieser Wert lässt sich auch auf soziale Einrichtungen übertragen“, sagt Holger Stolz: „Es müssen viele Hebel in Bewegung gesetzt werden.“
Die anderthalbjährige Fortbildung ist landesweit ausgeschrieben. Die Plätze sind auf 20 Teilnehmer begrenzt. Erwin Drefs hofft, dass die Kommunen den Qualifizierungsbedarf erkennen und für die Mitarbeiter vergüten. Beginn ist am 21. September, die Gebühr beträgt 2800 Euro.
