Delmenhorst - Angebote für Geflüchtete sollte es in Delmenhorst dauerhaft geben. Die Angebote sollten also verstädtert werden: Dieser Auffassung ist die AGFW (Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege). „Wir wünschen uns, dass wir eine dauerhafte Unterstützung sicherstellen können“, sagt Saskia Kamp, Geschäftsführerin der AGFW der Stadt Delmenhorst. Sie wollen in Sachen Integration nicht mehr von Förderprojekt zu Förderprojekt springen müssen.
Längerfristige Angebote
Die AGFW kümmert sich neben der Kontaktstelle für Integration der Stadt Delmenhorst um alle Belange rund um die Integration. Viele Projekte vereinen sich unter dem Dach der AGFW, dazu zählen die Arbeiten der Diakonie, des Paritätischen Wohlfartsverbandes, des Arbeiterwohlfahrtverbandes und auch des Deutschen Roten Kreuzes. Anstatt viele kurzfristige Aktionen, streben alle Beteiligten längerfristige und kontinuierliche Angebote für Delmenhorst an.
Die Institutionen sind auf Fördermittel angewiesen. Die fließen auch – jedoch immer zweckgebunden. Das wollen die Institutionen ändern.
Sie stünden in guter Zusammenarbeit mit der Stadt und den politischen Gremien, so Kamp. „Im Grunde wollen wir alle das Gleiche“, sagt sie. Das Ziel: Eine gute Vernetzung integrativer Arbeit gewährleisten zu können, kontinuierlich und unabhängig von punktuellen Finanzierungsmitteln.
Der Umfang an Unterstützungsmaßnahmen, den die AGFW bereits leiste, sei groß: Die Arbeit der Nachbarschaftsbüros gehört dazu sowie viele spezifizierte Beratungsangebote für Geflüchtete oder EU-Migranten: Beratungen zu konkreten bürokratischen Abläufen in Deutschland, über Möglichkeiten, an sportlichen oder sozialen Projekten teilzunehmen, bis hin zu Schuldnerberatungen. „Das ganze Spektrum eben, wir erklären ihnen, wie Wohngeld funktioniert, was eine Kita ist“, nennt Doris Fuhrmann, Geschäftsführerin der Awo Kreisverband Delmenhorst, Beispiele.
500 bis 700 Beratungen im Jahr nehme dabei jeder Mitarbeiter im Schnitt an. „Der Bedarf ist also da“, macht Kamp klar. Dabei können sie meist immer nur für den Zeitraum von einem Jahr planen, weil die meisten Fördermittelprogramme von Bund und Land für diese Zeitspanne ausgeschrieben werden. Das bedeute: „Wir können unseren Mitarbeitern keine langfristigen Perspektiven bieten“, sagt Kamp.
8000 Menschen mehr
Zwischen 2011 und 2018 seien 8000 Menschen mit Migrationshintergrund in Delmenhorst hinzugekommen. Zur Hälfte seien dies Geflüchtete aus Kriegsstaaten, die andere Hälfte bestehe aus Migranten aus einem anderen EU-Land. „Bei den EU-Bürgern kommt zudem eine ganz andere Beratung infrage, als bei Geflüchteten. Hier bemerken wir einen erhöhten Bedarf an Beratung und diese ist auch viel komplexer als bei Geflüchteten“, kann Thomas Heyen, Geschäftsführer vom Paritätischen Wohlfahrsverband Kreisverband Delmenhorst sagen.
„Wir sind nicht da, um etwas anzuprangern“, stellt Kamp heraus. Man wolle die Stadt nicht unnötig belasten, doch „das Angebot, was wir jetzt gerade haben, das brauchen wir langfristig und sollte verstädtert werden“.
