DELMENHORST - „Ich bin ein Liberaler, ohne Rücksicht auf Verluste“, sagt der ehemalige VHS-Geschäftsführer Claus Hübscher über sich selbst. Möglicherweise ist der 65 Jahre alte, erst vor einigen Wochen frisch gekürte Landtagskandidat der Delmenhorster FDP jetzt aber deutlich übers Ziel hinausgeschossen. Eine Iran-Studienreise mit Besuch beim Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zeitigt schon jetzt Kollateralschäden.

Die 15-köpfige Reisegruppe mit Teilnehmern aus ganz Deutschland, laut Hübscher allesamt „kritische Geister“, wurde geleitet von Dr. Yavuz Özuguz, Vorsitzender der Delmenhorster schiitischen Gemeinde und des bundesweiten Vereins „Islamischer Weg“. Reiseveranstalter war die regierungsferne, von Moslems finanzierte iranische Austauschorganisation „Ibn-Sina“, die auch zwei Drittel der Reisekosten übernahm.

„Ziel unserer Reise war es zu erfahren, wie eine religiöse Demokratie funktioniert“, sagt Hübscher, der den Iran „ein totalitäres System“ nennt. Der ursprünglich nicht geplante Besuch beim Präsidenten sei durch die guten Kontakte Özuguz’ ermöglicht worden. Absolut glaubhaft findet Hübscher die dort von Ahmadinedschad getätigte Einlassung, er habe niemals historische Wahrheiten wie den Holocaust bestritten. Glaubhaft findet er auch dieses: „Ahmadinedschad hat in meiner Gegenwart gesagt, der Iran hat keine Atomwaffen und entwickelt auch keine.“ Auch das findet Hübscher erwähnenswert: „Ahmadinedschad macht einen feinen Unterschied zwischen Juden und Israel und den Zionisten.“ Ein bisschen, sagt Hübscher, fühle er sich in diesen Tagen seelenverwandt mit Günter Grass, dessen Gedicht „Was gesagt werden muss“ soviel Empörung verursacht hat.

Reiseorganisator Yavuz Özuguz stand in den vergangenen Jahren im Visier des Verfassungsschutzes, jetzt tauchte er im Antisemitismusbericht der Bundesregierung auf wegen einschlägiger Textpassagen auf dem Internet-Portal „Muslim-Markt“, das er gemeinsam mit seinem Bruder betreibt. In die Schlagzeilen war Özuguz das letzte Mal im Februar geraten: Die VHS wollte ihn nicht in ihren Räumen als Referenten zum Schiismus auftreten lassen. Der Vortrag war geplant vom Leiter des VHS-Gesprächskreises „Kulturen und Religionen in Delmenhorst“ Hübscher.