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Judenverfolgung In Delmenhorst: Erinnerung weiter wachhalten

07.11.2018

Delmenhorst 37 kleine, ins Pflaster eingelassene Gedenktafeln aus Messing, die an ehemalige jüdische Bewohner Delmenhorster Häuser erinnern sollen, sind auf Betreiben des Freundes- und Förderkreises der jüdischen Gemeinde seit dem Jahr 2006 von dem Künstler Gunter Demnig an elf verschiedenen Standorten in Delmenhorst verlegt worden. So auch vor dem Haus Lange Straße 78, in dem einst die Familie Rothschild wohnte.

Dr. Harry Rothschild hatte hier seine Arztpraxis. Am 3. Mai 1939 floh er nach Kuba. Auch die drei Kinder der Familie, Gertrud, Edith und Edmund, kehrten Europa den Rücken. Nur Harry Rothschilds Ehefrau Mathilde blieb. Sie wollte in ihrer Heimatstadt noch einige Dinge ordnen und dann nachkommen. Es sollte nicht gelingen. 1941 wurde Mathilde Rothschild nach Minsk ins dortige Ghetto deportiert. Dort kam sie um. Ihr Mann und ihre Kinder überlebten im Exil auf Kuba und in den USA.

Schicksale von ehemaligen Delmenhorstern, an die man sich erinnern sollte, findet der Freundes- und Förderkreis. An diejenigen, die die Verfolgung durch die Nazis überlebt haben und vor allem an diejenigen, die es nicht geschafft haben. Für die Verlegung der Stolpersteine genannten Gedenktäfelchen hat der Freundeskreis die Kosten übernommen. Und er will, dass auch der Jugend die Ereignisse in Nazideutschland nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938, die dieses Jahr genau acht Jahrzehnte zurückliegt, gegenwärtig sind.

In Zusammenarbeit mit den Delmenhorster Schulen findet seit drei Jahren in den Tagen vor dem 9. November eine kleine Putzaktion statt. Schülerinnen und Schüler befreien die Stolpersteine an einem Vormittag von Alltagsstaub und -schmutz. So auch am Dienstag. Nachdem in den Vorjahren Schüler des Willms-Gymnasiums und der IGS die Stolpersteine mit Politur gesäubert und sie mit Rosen geschmückt hatten, taten dies in diesem Jahr Jugendliche aus den 8. und 9. Klassen der Realschule Lilienstraße.

„Lasst Euch nicht von dummen Redensarten provozieren“, gab ihnen zu Beginn der Freundeskreis-Vorsitzende Dr. Norbert Boese mit auf den Weg. Wohl nicht ohne Grund. In den Vorjahren sei derartiges schon vorgekommen. Eine ältere Frau hätte vor den Schülern auf die Stolpersteine gespuckt und Schimpftiraden auf „die Juden“ losgelassen.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich vor dem Einsatz am Dienstag mit dem Thema Verfolgung und Vertreibung der Juden beschäftigt. Unter anderem mittels eines Theaterstücks.

Dr. Boese würde es freuen, wenn in Delmenhorst per Ratsbeschluss eine neue Straße den Namen „Mathilde-Rothschild-Straße“ erhalten würde: „Den Vorschlag hatten wir schon gemacht. Bis jetzt aber ohne Erfolg.“

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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