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Jüdisches Leben: „Wir sind da. Und wir zeigen es“

23.07.2018

Delmenhorst „20 Jahre Jüdische Gemeinde – Die Freunde und Förderer gratulieren“ steht auf der Tafel aus indischem Granit, die als Motiv eine geöffnete Thorarolle und den Davidstern zeigt. Seit Freitag hängt sie neben dem Eingang zu den Räumen der jüdischen Gemeinde an der Louisenstraße – von der Straße aus kaum sichtbar, denn der Synagogen-Eingang verbirgt sich hinter einem massiven Metalltor.

Der Freundes- und Förderkreis hat die Tafel der neuen Delmenhorster jüdischen Gemeinde im Nachgang zu ihrem 20-jährigen Bestehen, das vor knapp einem Jahr gefeiert wurde, zum Geschenk gemacht. Angefertigt wurde sie nach einem Entwurf der Delmenhorster Künstlerin Madlen Fish von dem Delmenhorster Steinmetzmeister Klaus Walter. Die Firma Walter hat auch einen Teil der Kosten übernommen.

„Die Tafel sagt: Wir sind da. Und wir zeigen es“, sagte Gemeindevorsitzender Pedro Benjamin Becerra am Freitagnachmittag bei der Enthüllung der Tafel. Rabbinerin Alina Treiger, Geistliche der jüdischen Gemeinden Oldenburg und Delmenhorst, sprach dem Freundes- und Förderkreis ihren Dank aus: „Diese Leute tun sehr viel Gutes für unsere Gemeinde. Wir hoffen, dass das jüdische Leben in Delmenhorst weiterhin blühen wird. Wir sind ganz stolz auf unsere kleine jüdische Gemeinde.“

Die jüdische Gemeinde Delmenhorst zählt rund 170 Mitglieder, zum größten Teil handelt es sich bei ihnen um Menschen jüdischen Glaubens aus den Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Die Gemeinde-Neugründung fand am 24. August 1997 statt.

„Der Neuanfang hat unsere Stadt bereichert“, sagte Förderkreis-Vorsitzender Dr. Norbert Boese bei der kleinen Zeremonie. Boese erinnerte daran, dass die Gemeinde zunächst in einem Vorlesungssaal der ehemaligen Volkshochschule untergebracht war, bevor die neue Heimstatt im Mai 1999 bezogen werden konnte. Und er erinnerte daran, dass es in Delmenhorst seit 1695 jüdisches Leben gab. Zunächst nur in einer sehr kleinen Gemeinde, die 1793 20 Mitglieder zählte.

Im Zuge der Industriealisierung, die vielen Emigranten aus Osteuropa Arbeit bot, stieg ihre Zahl rapide an. Nach 1933 wanderten viele Delmenhorster Juden aus. In der Pogromnacht 1938 steckten die Nazis die Synagoge an der Cramerstraße in Brand, fast alle jüdischen Männer wurden verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Die letzten jüdischen Einwohner mussten die Stadt im April 1940 verlassen.

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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