Delmenhorst - Die Bagger liegen still an der Friedensstraße. Ein Anwohner hat in einem Eilverfahren beim Verwaltungsgericht Oldenburg einen sofortigen Baustopp der dortigen Arbeiten an einem Stauraumkanal beantragt. Grund: Durch die Baumaßnahmen befürchte der Anwohner, dass das Grundwasser so weit abgesenkt wird, dass die Vegetation nachhaltig geschädigt wird. Vor allem im Sommer bräuchten Pflanzen mehr Wasser. Wenn der Wasserspiegel sinke sei das eine Gefahr für die Vegetation, kann Andreas Reich dieser Zeitung gegenüber sagen. Reich ist der Anwalt des Anwohners, der nun geklagt hatte. Er ist spezialisiert auf Verwaltungs- und Umweltrecht. Die Stadtwerkegruppe Delmenhorst (SWD), die für den Kanalbau zuständig ist, hatte Ende Mai eine Genehmigung für die Grundwasserabsenkung erhalten. Gegen diese will der klagende Anwohner nun gezielt Widerspruch erwirken.
Neben der Gefährdung der Vegetation spielt für Reichs Mandanten noch ein Argument eine Rolle: „Außerdem führen die Bauarbeiten zu starken Erschütterungen und damit zu Beschädigungen an seinem Grundstück.“
Der Anwohner stelle auch den generellen Sinn des neuen Wasserkanals infrage. Von der SWD ist der Kanal geplant, um das Regenwasserkanalnetz zu entlasten. Ist zu viel Wasser in den Regenwasserkanälen, fließt es zur Zwischenspeicherung in den Stauraumkanal, bevor es abgepumpt wird. Der Anwohner wirft laut Reich jedoch ein, dass es plausibel wäre, zunächst den nahegelegenen Sassenkanal auszubessern, der ja schon bestehe, bevor ein Kanal künstlich und zusätzlich angelegt werden müsse.
Reich wirft der SWD außerdem vor, dass diese den Generalentwässerungsplan nicht zur Einsicht freigibt. Dieses Dokument gebe Auskünfte, mit welchen Maßnahmen die Entwässerung für die gesamte Stadt Delmenhorst betrieben würde.
Schon vor dem Baustart hatte es Proteste gegeben. Anwohner aus Ganderkesee und Delmenhorst hatten eine Interessengemeinschaft gegründet und per Unterschriftenaktion den Bau verhindern wollen. Circa 160 Unterschriften hatten sie gesammelt. Sie befürchteten, dass der Stauraumkanal dort zu Überschwemmungen führen könnte. „Wenn die Unterschriften und die Kritik von Anwohnern ignoriert wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn sich jetzt Anwohner beschweren“, fasst Reich zusammen.
Zum Verfahren vor Gericht konnten sich sowohl SWD und Reich nicht äußern. Ob und wann die Bauarbeiten weitergehen, ist demnach auch offen.
Der 23. September als letzten Bautag dieses Vorhabens wird aber wohl nicht eingehalten werden können.
