Delmenhorst - Unter dem Motto „1918-2018: 100 Jahre Frauenwahlrecht! Und was heißt das heute?“ hatte die Gleichstellungsstelle der Stadt Delmenhorst anlässlich des Internationalen Frauentages am Samstag, 10. März, ins Kleine Haus eingeladen. Der Empfang würdigte das Jubiläum der Frauen für gleiche politische Rechte. Dazu Gleichstellungsbeauftragte Petra Borrmann: „Frauenrechte sind nicht vom Himmel gefallen. Um wie heute selbstverständlich die eigene Stimme erheben zu können und sich in Politik und dem öffentlichem Leben einzubringen, mussten Frauen vor 100 Jahren vehement für ihre Rechte kämpfen.“
Nach der Eröffnung wurde das Theaterstück „Neunzehn Eins Neunzehn Neunzehn“ gezeigt. Dieses Stück wurde eigens zum Jubiläum des Frauenwahlrechts geschrieben und erinnerte in kurzen Spielszenen an diese bewegte Zeit. Etwa 100 Gäste (überwiegend natürlich Frauen) verfolgten das Theaterstück der Frauenrechtlerin Dr. Anita Augspurg, die von Schauspielerin Birgit Scheibe gespielt wurde. Inszeniert von Regisseurin Susanne Baum verlieh sie ihr in dem Monodrama Gesicht und Stimme und zeigte den unermüdlichen Kampf und Einsatz für die Frauenrechte.
Anita Augspurg (1857 bis 1943), geboren in Verden an der Aller, war Anfang des vergangenen Jahrhunderts Pazifistin, Lehrerin, Publizistin und Fotografin und hatte großen Anteil daran, dass Frauen das Wahlrecht erhielten. Sie war die erste promovierte Juristin in Deutschland, eine beeindruckende Rednerin und streitbare Feministin. In ihrem Ringen um die politische Gleichstellung der Frauen hatte sie Bündnispartnerinnen. Zahlreiche Frauen, Suffragetten, Mitglieder demokratischer Parteien und Künstlerinnen kämpften damals für das Frauenstimmrecht. Die Gegner der Frauenrechte beschworen hingegen „das Ende der Zivilisation“.
„Schaut an diesem Tag weit hinaus in die Zukunft“, appellierte Anita Augspurg am Ende des Stückes an die Frauen, sich zu empören, wo immer ihnen eine faire Beteiligung versagt werde. „Engagiert euch für wirkliche politische Gleichberechtigung!“
Begleitet wurde das Theaterstück von der Musikerin Karin Christoph. Mit Akkordeon, Geige und Gesang untermalte die versierte Bühnenmusikerin und Komponistin das Geschehen auf der Bühne mit Anklängen an die Musik der 1920er-Jahre.
Im Anschluss wurde dann der Bogen zur heutigen Zeit geschlagen. In zwangloser Runde berichteten Delmenhorster Politikerinnen von ihren persönlichen Erfahrungen und Motiven, sich zu engagieren und für ihre Anliegen einzusetzen.
