Delmenhorst - Viele Menschen planen, Deutschland zu verlassen. Manche tun dies freiwillig, andere sind gezwungen. Für alle Auswanderer gilt: Es gibt viel zu bedenken.
Das bundesweit tätige Raphaelswerk, katholischer Fachverband für Auswanderungsfragen, bietet für das Oldenburger Land ab Mittwoch, 20. September, regelmäßig eine Sprechstunde in Delmenhorst an.
Wer in den Beratungsstunden beraten wird und wer nicht, erklärt Beraterin Magdalena Kruse für die NWZ. Sie erläutert auch ihre Tätigkeit und gibt darüber hinaus wertvolle Tipps für potenzielle Auswanderer.
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Warum bieten sie Beratungen in Delmenhorst an |
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Wir sind im Blick auf die Rückkehrberatung von Flüchtlingen für ganz Niedersachsen zuständig. Das Angebot auch in Delmenhorst anzubieten ist ein Schritt, den Menschen aus dem Nordwesten etwas entgegen zu kommen.
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An wen richtet sich die Beratung |
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Die Beratung richtet sich an ganz unterschiedliche Personengruppen, wie zum Beispiel Flüchtlinge und Asylbewerber, die in ihre Heimatländer zurückkehren wollen oder müssen. Viele von ihnen kommen aus dem Irak, Afghanistan, Russland und Georgien. Darüber hinaus werden alle Menschen beraten, die einen Ausreisewunsch haben, beispielsweise Personen, die ihren Lebensabend woanders verbringen wollen oder in einem anderen Land arbeiten werden.
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Was sind die Anliegen der Menschen |
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Ein schwieriges Anliegen ist, wenn Personen mit einer Ausreiseaufforderung kommen und das Land nicht verlassen wollen, wenn zum Beispiel Gefahr droht. Möglich ist auch, dass ein Mensch nicht in sein eigentliches Heimatland zurückkehren will, weil die Familie mittlerweile in einem anderen Land lebt.
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Was wird in solchen Situationen getan? |
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Alles muss sorgfältig geprüft werden. Ab und zu gibt es Möglichkeiten, den Aufenthaltsstatus zu verändern: Macht ein Widerspruch Sinn? Gibt es die Möglichkeit der Klage? Ist eine Ausbildungsduldung möglich? Könnte ein Härtefallantrag in Frage kommen?
Oft geht es auch darum, die Menschen innerlich auf die Ausreise vorzubereiten, sie bei dem Prozess, der reifen muss, zu begleiten.
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Ist diese Begleitung ein wichtiger Teil der Arbeit |
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Bei der Beratung geht es darum, bei den Bedürfnissen der Personen anzusetzen. Es wird nicht nur ein Ticket besorgt, sondern das ganze Umfeld angeschaut. Es gibt zum Beispiel die Situationen, in denen der älteste Sohn der Familie nicht zurückkehren will oder wo der Vater einem Kind sagt, es solle bleiben und Jura studieren.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Begleitung von besonders schutzbedürftigen, alleinreisenden, alleinerziehenden und erkrankten Personen. Die Ausreisevorbereitungen sind umso aufwendiger, je mehr Hilfen im Herkunftsland vermittelt werden müssen.
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Gibt es auch einfache Fälle |
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Wenn eine Person beispielsweise in ihre Heimat zurück möchte, um bei ihrer Familie zu leben, weil ein Elternteil Unterstützung braucht und Hilfe bei der Ausreise benötigt, weil das Flugticket zu teuer ist, handelt es sich um einen einfachen Fall. Die Person will in diesem Fall die Ausreise. Außerdem kann man erst ein Mal davon ausgehen, dass derjenige bei den Eltern unterkommt, denn familiäre Strukturen funktionieren im Ausland besser als in Deutschland. Da kann man schon mal mehrere Monate bei Angehörigen leben.
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Für wen ist die Beratung nicht gedacht |
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Wenn es um Integration hier in Deutschland geht, gibt es andere Beratungsstellen. Auch Deutsche, die zurückkehren wollen, müssen aufpassen, da eine Beratung über das Raphaelswerk nur erfolgt, solange sie im Ausland sind.
So wird zwischen den Welten vermittelt: Beim Übergang ins Ausland oder beim Weg zurück aus dem Ausland. Generell aber eher das erstere. Man hat durch manche Sendungen den Eindruck, dass halb Deutschland auswandern möchte.
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Haben die Zahlen in dem Bereich zugenommen |
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Der Wunsch ist immer wieder da. Manchmal wird das Verlangen nach den Sommerferien stärker. Menschen sehen Länder und haben das Bedürfnis dort zu bleiben. Zugenommen haben die Anfragen aber nicht. Die Menschen informieren sich über das Internet inzwischen schon sehr gut.
Die beliebtesten Länder zum Auswandern sind Kanada, Amerika und Australien. Dort werden allerdings gezielt qualifizierte Fachkräfte gesucht und ins Land gelassen. Alle anderen, die diese Profile nicht erfüllen, haben keine Chance.
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Was ist der wichtigste Tipp für Auswanderer |
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Man sollte immer an die Rückkehr denken oder einen „Plan B“ entwickeln. Wenn es im Ausland schief geht, sollte man nicht zu lange am vermeintlichen Traum festhalten. Es kann passieren, dass die Menschen nicht mehr genug Geld haben, um sich ein Ticket für den Rückflug zu kaufen. Sobald sie in Deutschland sind, greifen viele Hilfen. Aber in anderen Ländern ist das nicht unbedingt so.
Ebenfalls wichtig ist es, auch aus dem Ausland Kontakt zu Eltern und Freunden zu halten.
