Delmenhorst - Der 2002 in Berlin gegründete Verbraucherschutzverein Foodwatch hat erstmals in seiner Geschichte eine Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerde gegen eine Veterinäramtsleitung eingelegt – gegen Dr. Nicolin Niebuhr, Leiterin des Fachdienstes Veterinär- und Ordnungswesen in der Delmenhorster Stadtverwaltung. Warnungen vor möglichen Gesundheitsrisiken von potenziell keimbelasteten Hähnchensnacks seien, so der Vorwurf, der Öffentlichkeit vorenthalten worden. „Die Beschwerde liegt uns vor und wird derzeit geprüft“, beantwortete Stadt-Pressesprecher Timo Frers eine NWZ-Anfrage. Wann die Prüfung abgeschlossen sein werde, könne man nicht sagen.

Die Zur-Mühlen-Gruppe hatte unter den Markennamen Böklunder, Güldenhof, Gutfried, Penny to go, Redlefsen und Snacktime mit Listerien kontaminierte Geflügelfleisch-Produkte auf den Markt gebracht, die in der zu Zur Mühlen gehörenden Delmenhorster Fleischwarenfabrik Könecke hergestellt worden waren. Zwar erfolgte Ende Dezember ein Rückruf, aber ohne Hinweis auf die Art der Belastung.

Listerien können die mitunter tödlich verlaufende Krankheit Listeriose verursachen. Als besonders gefährdet gelten Schwangere.

„Die rechtliche Lage ist kompliziert“, sagte Foodwatch-Pressesprecher Andreas Winkler am Dienstag auf Nachfrage. „Laut geltendem Recht sind die Unternehmen zuständig zu informieren, in zweiter Linie die Behörden. Mit solchem Verhalten wird die Gesundheit von Menschen aufs Spiel gesetzt.“