DELMENHORST - Auch die 0:2-Niederlage der türkischen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft am Sonnabend konnte die Stimmung nicht trüben. Die Mitglieder des Vereins Islamische Gemeinde Mevlana Moschee setzten ihr dreitägiges Gemeindefest am Sonntag mit ebenso guter Laune fort wie sie es am Freitag begonnen hatten. „Gegen Portugal darf man verlieren“, sagte der 2. Vorsitzende der Gemeinde, Kadir Canakci, und lachte.

Während Freitag und Sonnabend mit einem abwechslungsreichen Programm gespickt waren, stand am Sonntag ein Spielenachmittag für Kinder auf dem Programm. Und bei diesem durfte in Zeiten der Europameisterschaft auch ein Elfmeterschießen nicht fehlen. Drei Schuss – drei Treffer: Wem das gelang, der konnte sich über ein neues Fußballtrikot eines türkischen Spitzenclubs freuen.

Rund 200 Gäste waren an den drei Tagen durchgehend auf dem kleinen Festplatz neben der Mevlana-Moschee an der Breslauer Straße zugegen. Am Sonnabend luden Gülay Celik und Leyla Yildirim zum Seminar „Frau im Islam“ ein. „Die Gäste haben uns viele Fragen gestellt“, erzählte Celik. Werden türkische Jungen zu Paschas erzogen? Können Frauen mit ihren Kopftüchern überhaupt Sport machen? „Die Jungen werden nicht zu Paschas erzogen. Das ist in der Türkei genauso wie in Deutschland: Das hängt von der Familie ab. Mit dem Islam hat das nichts zu tun.“ Oder: „Wenn wir die Möglichkeit haben, mit Kopftuch Sport zu machen, machen wir das auch.“ Celik und Yildirim beantworteten all die Fragen der Besucher.

Mit Vorurteilen sei man ihnen während des Seminars nicht begegnet. „Das ist Unwissen“, sagt Celik. „Und viele wissen gar nicht, an wen sie sich wenden können, um solche Fragen beantwortet zu bekommen“, ergänzte der 1. Vorsitzende der Mevlana-Gemeinde, Eyüp Ertugrul.

Und genau deshalb laden die Gemeindemitglieder immer wieder gerne in ihre Moschee ein. „Der Stamm von unseren Besuchern wird jedes Jahr größer“, erzählt Celik und freut sich. Aufgrund der positiven Resonanz auf das Fest hat die Gemeinde deshalb beschlossen, ab sofort in jedem Jahr zum Gemeindefest einzuladen.

Und wer nicht bis zum nächsten Fest oder Tag der offenen Tür Anfang Oktober warten möchte, kann jederzeit bei der Gemeinde vorbeikommen. „Unsere Tür steht immer offen“, sagte Ertugrul. Und momentan läuft auch regelmäßig der Fernseher. Auf einer Großbildleinwand werden alle Spiele der Europameisterschaft gezeigt. Wenn die Türkei oder Deutschland spielen, sitze man gebannt zusammen und fiebere mit. „In unserer Brust schlagen zwei Herzen: eins für die Türkei, eins für Deutschland“, sagte Ertugrul und verspricht: „Während der Spiele ist bei uns richtig was los!“