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NWZonline.de Region Delmenhorst

„Profit-Oase“ im Delmenhorster Wollepark wird abgerissen

25.06.2019

Delmenhorst Die Sonne scheint über den nördlichen Wollepark der Stadt Delmenhorst. Durch die geöffneten Fenster des sechsstöckigen Gebäudes an der Westfalenstraße 8, sind Arbeiter zu hören. Sie sind die letzten, die die Kleinwohnungen im Inneren zu Gesicht bekommen. Nach über 40 Jahren sind es die letzten Stunden des Wohnblocks, ehe er dem Erdboden gleichgemacht wird.

Zuvor muss das Gebäude aber komplett entkernt werden. „Wie schon bei den Abrissen von den Wohnblocks zuvor sind auch hier viel Asbest und Schadstoffe verbaut worden“, sagt Lüder Steinberg, Bauleiter der Firma Bodo Freimuth. Das Unternehmen war bereits für die Abrisse der Wolleparks 1 bis 5 zuständig. 15 Mitarbeiter sind derzeit dabei, alles für den Abriss vorzubereiten. In wenigen Wochen sollen dann große Geräte anrücken, die den seit 2006 verwahrlosten Betonklotz Stück für Stück abtragen. „Wir wollen bis Ende August fertig sein“, kündigt Steinberg an.

Wenn dies geschafft ist, geht eine endlose Geschichte um den Wohnblock zu Ende. Das Haus stand nach der Insolvenz des Eigentümers Jürgens KG lange unter Zwangsverwaltung und wurde nicht mehr instandgehalten. Ankaufbemühungen der Stadt gab es bereits im frühen Stadium der städtebaulichen Sanierung im Wollepark vor über 15 Jahren.

Trotz einer Abbruchverfügung im Jahr 2012 durch die städtische Bauordnung, rechtskräftig seit 2015, vergingen weitere Jahre. Daran hatte auch eine Zwangsversteigerung ihren Anteil, bei der ein externer Interessent die Stadt überbot, der Abbruchverfügung aber nicht nachkam. Drei Jahre später klappte dann der Ankauf durch die Stadt.

Am Montagmorgen machte sich Axel Jahnz, Oberbürgermeister der Stadt Delmenhorst, ein Bild über den Stand des Abrisses. „Eigentlich ist es schade, so einen Wohnkomplex abzureißen“, sagt er. In den 1970-er Jahren hätte er selbst Freunde in den Wohnungen besucht. „Das waren richtig schicke Wohnungen“, sagte er. Da die Eigentümer aber keine Investitionen getätigt hätten, sei der Abriss unumgänglich. „Das waren hier reine ,Profit-Oasen’“, kritisiert Jahnz.

In vielen großen Städten hätte man mit solchen „Problembauten“ zu kämpfen. „Um die Situation zu verbessern, ist ein Abriss nötig. Dafür wird jetzt Geld in die Hand genommen“, sagt Jahnz. Im Falle der Westfalenstraße 8 sind dies 700 000 Euro. Die hat die Verwaltung Ende des vergangenen Jahres von der Politik genehmigen lassen.

Kritik übte der Oberbürgermeister an der Meinung vieler Personen zum Wollepark. „Ich finde es nicht in Ordnung, pauschal über den Wollepark zu reden“, erklärt Axel Jahnz. „Es ist nicht gerechtfertigt, allen den gleichen Stempel aufzudrücken.“ Viele Bewohner würden ganz normal ihrer Arbeit nachgehen. „Es kann sich nun mal nicht jeder eine teure Wohnung leisten.“

Der Abriss an der Westfalenstraße soll nicht der letzte bleiben. Zwischen der Westfalenstraße und dem Parkgelände befinden sich noch die Wohnblocks 13 und 14. Auch diese hat die Stadt gekauft. Während der Block 13 bereits leer steht, werde derzeit versucht, die Einwohner im Block 14 zu vermitteln. „Zur Verbesserung der Wohnlandschaft kommen wir nicht umher, solche Blöcke abzureißen“, sagt Jahnz. Die Wohnblöcke 11 und 12 sind dazu seit nun schon zwei Jahren nicht bewohnbar. Hier müsse die Hausverwaltung aber noch einige Eigentümer kontaktieren – was momentan, so Jahnz, schwierig sei. „Wenn es dort so bleibt wie es ist, sehe ich dort auch bald die Bagger stehen“, vermutet der Oberbürgermeister. Ein Angebot habe die Stadt bereits unterbreitet, die Kaufbereitschaft sei weiterhin vorhanden. Jahnz: „Mein Büro steht für ein solches Gespräch immer offen.“

Wie es auf dem Gelände an der Westfalenstraße 8 nach dem Abriss weitergeht, ist derweil noch ungewiss. Zuletzt wurde in den Ausschüssen der Stadt über den möglichen Bau eines Kindergartens debattiert. „Man sieht an diesen Diskussionen, dass wir hier eine Zukunft sehen“, ist Jahnz überzeugt, dass die Bemühungen der Stadt in den kommenden Jahren ihre Früchte tragen werden.

Und auch für den Beton des Gebäudes an der Westfalenstraße wird es nach dem Abriss eine Zukunft geben. „Wir werden daraus Schotter herstellen“, verrät Bauleiter Lüder Steinberg. Verwendet wird dieser beim Straßenbau. Gut möglich also, dass künftig Autos über die Betonwände der ehemaligen „Profit-Oasen“ des Wolleparks rollen.

Sönke Spille Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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