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NWZonline.de Region Delmenhorst

Handwerk In Delmenhorst: Ausbildung rückt trotz Corona-Krise in den Fokus

11.08.2020

Delmenhorst /Oldenburg Unter dem Fachkräftemangel hat das Handwerk schon länger zu leiden. Und die Situation wird durch die Corona-Krise nicht gerade einfacher. Dass es aber gerade jetzt wichtig ist, die Ausbildung junger Menschen nicht zu vernachlässigen, weiß Carsten Budzinski vom gleichnamigen Kfz-Betrieb in Delmenhorst. Ausbildung bedeute für den Unternehmer und Kfz-Meister nämlich auch, die Fachkräfte von morgen zu finden, schreibt die Handwerkskammer Oldenburg in einer Pressemitteilung.

„Wir werden auch nach der Krise Fachkräfte benötigen. Ich habe nie einen Gedanken daran verschwendet, nicht mehr auszubilden“, so Budzinski. Deshalb habe er telefonisch und im persönlichen Kontakt mit dem gebotenen Abstand die diesjährigen Vorstellungsgespräche geführt. Das Ergebnis: Zwei junge Männer haben im August die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker begonnen. „Einer hat bereits eine kaufmännische Ausbildung und der andere, ein Bewerber mit Fluchthintergrund, hat sich über eine Einstiegsqualifizierung empfohlen“, beschreibt Budzinski die erfolgreiche Suche.

Von der Pike auf lernen

Seit knapp 40 Jahren bildet der Kfz-Betrieb Budzinski aus. „Unsere Auszubildenden bekommen ein sehr breites Spektrum mit. Sie lernen den Beruf von der Pike auf“, sagt Budzinski, der den Betrieb 1997 von seinem Vater übernommen hat.

Sein Engagement begrüßt die Handwerkskammer Oldenburg ausdrücklich in ihrer Pressemitteilung. Kai Vensler, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung, sagt: „Die Betriebe hatten rund um den Lockdown Finanzfragen zu klären und die Rechtslage zu organisieren. Jetzt rückt die Ausbildung wieder in den Fokus.“ Im Vergleich zum Vorjahr seien die Zahlen vom 31. Mai ernüchternd: Die neu eingetragenen Lehrverhältnisse gingen um 16,5 Prozent (1019 statt 1220 Verträge) zurück.

„Wir hoffen, dass die Pandemie hauptsächlich eine zeitliche Verschiebung bedeutet. Bundesweit haben in einer Umfrage 45 Prozent der ausbildenden Handwerksbetriebe erklärt, dass sie genauso viel oder noch mehr ausbilden wollen. Aber es haben auch 25 Prozent gesagt, dass sie wohl weniger ausbilden werden“, sagt Vensler. Der Blick in die Zukunft bleibe undeutlich.

Kontaktpunkte fehlen

Mit dem Ausfall von Berufsorientierungsunterricht an den Schulen, dem Wegfall von Ausbildungsmessen und Berufsinformationstagen sowie auch den Einschränkungen im Alltag, fehlten den Betrieben Kontaktpunkte zu Jugendlichen und den Schulabgängern Information und Orientierung.

Das Handwerk stemme sich gegen die Folgen der Pandemie. „Wir fordern eine Unterstützung für Ausbildungsbetriebe“, sagt Vensler und meint damit einen einmaligen Zuschuss, der sich an 75 Prozent einer durchschnittlichen tariflichen oder Mindestausbildungsvergütung über einen Zeitraum von drei Monaten orientieren sollte. „Das wäre ein wertschätzendes und zugleich motivierendes Signal.“

Zum 31. Mai hatten lediglich das Baugewerbe (185 statt 172) und das Nahrungsmittelhandwerk (21 statt neun) mehr neue Auszubildende eingestellt als im Vorjahr. Rückgänge gab es im Elektro- und Metallgewerbe inklusive Kfz-Handwerk (550 statt 708), bei den Gesundheits- und Körperpflegeberufen (80 statt 110), im Holzgewerbe (77 statt 80) und bei den kaufmännischen Berufen (79 statt 99).

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