Delmenhorst - Im Rote-Kreuz-Stift ist die Palliative Versorgung nicht nur fester Bestandteil geworden, sondern auch kein Tabuthema mehr. Seit einigen Jahren werden Menschen hier auf ihrem letzten Weg begleitet, betreut und gepflegt. So intensiv wie heute hatte man sich sich allerdings nicht immer mit dem Tod beschäftigt.

„Eine Mitarbeiterin hatte sich dem Thema verschrieben und sich dafür eingesetzt“, erklärt Pflegedienstleiterin Heide Mohmeyer. Als sie ihre Stelle vor sieben Jahren antrat, klinkte die Leiterin sich schnell in die Thematik der Palliativen Versorgung ein. „Die Menschen werden immer pflegebedürftiger und kommen in einem schlechteren Zustand zu uns, weil sie oft bis zuletzt zu Hause oder bei Angehörigen leben“, sagt sie. Deshalb verbringen viele Senioren nur noch eine kurze Zeit im Stift des Deutschen Roten Kreuzes, das Platz für 77 Bewohner hat. Ihre Pflege und die Erhaltung ihrer Würde stünden im Vordergrund.

Bereits sieben Pflege- und Betreuungskräfte des Heims wurden im Bereich der Palliativen Versorgung geschult. „Ziel ist es, dass so viele unserer Mitarbeiter wie möglich diese Weiterbildung absolvieren. Erst dadurch kann auf diesem Gebiet ein Umdenken stattfinden“, sagt Heide Mohmeyer. Dafür wolle sie auch andere Mitarbeiter wie Reinigungskräfte mit ins Boot holen.

Medikamenten- und Wundversorgung, ethische Fragen, der Umgang mit Angehörigen und vieles mehr stehen bei den Weiterbildungen auf dem Programm. „Pfleger und Betreuer brauchen einen Koffer voll mit allem möglichen Handwerkszeug, den sie individuell einsetzen können“, weiß Heide Mohmeyer.

An jeden Bewohner soll man sich erinnern. Dafür gibt es im Pflegeheim eine Trauerecke. „Jeder Bewohner, der seine letzten Tage bei uns verbringt, wird in ein Buch eingetragen. Mit dabei ist immer ein Spruch oder eine Anekdote.“ Bilder, Familienanzeigen und Unterschriften von Mitarbeitern und Angehörigen finden sich ebenfalls in den Büchern.

Der Abschied solle für jeden Bewohner individuell und besonders sein. Regelmäßig finden im Rote Kreuz-Stift kleine Andachtsstunden für die Verstorbenen statt. Denn auch die Pflegekräfte und Mitarbeiter nehmen Abschied von Bewohnern, die sie während ihres Aufenthalts gut kennengelernt haben. „Wir lachen, weinen und erzählen Geschichten. Auch das gehört zum Tod mit dazu“, sagt Heide Mohmeyer.

„Ich bin der Meinung, dass alle Delmenhorster Heime auf dem Gebiet der Palliativen Versorgung gute Arbeit leisten. Es muss eine stetige Weiterentwicklung bei diesem wichtigen Thema geben“, findet sie.