DELMENHORST - DELMENHORST/LO - Dass Rauschmittel und Straßenverkehr nicht zusammenpassen, ist hinlänglich bekannt. Doch die Realität auf den Straßen zeigt, dass zwischen Theorie und Praxis bisweilen Welten liegen. Einer der Gründe dafür dürfte die Selbstüberschätzung sein: Selbst stark berauschte Autofahrer glauben häufig, sie hätten die Situation im Griff und seien durchaus noch fahrtüchtig.

Die Polizei bemüht sich seit geraumer Zeit, durch gezielte Aufklärung die Gefahr potenzieller Trunkenheitsfahrten zu verringern. In Delmenhorst ist Oberkommissar Willi Ihlo regelmäßig in Schulen unterwegs, um für Abstinenz am Steuer beziehungsweise am Mopedlenker zu werben.

Eine ganz neue Möglichkeit, die Wirkung von Alkohol und illegalen Drogen auf Sinneswahrnehmung und Reaktionsfähigkeit zu demonstrieren, bietet die so genannte Rauschbrille, die sich in den USA bereits seit geraumer Zeit in der Prävention bewährt hat. Je nach Ausführung nimmt der Brillenträger seine Umgebung in unterschiedlichen Trunkenheitsgraden wahr. Die Bedeutung des Hilfsmittels liegt darin, dass die Wahrnehmungsbeeinflussung bei vollem Bewusstsein erlebt wird und damit eine nachhaltigere Wirkung erzielt wird.

Die erste Rauschbrille, mit der die Delmenhorster Polizei jetzt ihre Aufklärungsarbeit intensivieren kann, hat die Verkehrswacht zur Verfügung gestellt. „Wir engagieren uns gern für diese Sache“, sagte Verkehrswacht-Geschäftsführer Bernd Schmidt gestern bei der Übergabe im Wilhelm-von-der-Heyde-Schulzentrum. Sollte sich der Einsatz bewähren, wofür schon jetzt einiges spricht, sollen weitere Brillen angeschafft werden – bei einem Preis von etwa 100 Euro eine sinnvolle Investition, wie Schmidt meinte.

Der 16-jährige Kevin, der die Brille ausprobierte, war sichtlich beeindruckt. Er griff mehrfach ins Leere.