Delmenhorst - Montagmorgen in der Aula der Berufsbildenden Schulen II. „Wer von Euch hat schon mal Rassismus erlebt?“, fragt Deniz Kurku in die Runde. Rund zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler heben den Arm. Der SPD-Landtagsabgeordnete, selbst türkischstämmig, hat die Wanderausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“, konzipiert von der Friedrich-Ebert-Stiftung, nach Delmenhorst geholt. Am Montagmorgen wurde sie eröffnet. Sie wird in der Cafeteria der Berufsschule noch bis zum 14. September gezeigt.

Kurku appellierte an die Jugendlichen, immer die Augen offen zu halten. „Zu meiner Schulzeit konnte man sie erkennen an Bomberjacke, Springerstiefeln und weißen Schnürsenkeln. Heute sind sie mitten in der Gesellschaft und in den Parlamenten.“

Die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt die Gefahren auf, die vom Rechtsextremismus als Bedrohung für Demokratie und Menschenwürde ausgehen. Sie stellt die Grundlagen für rechtsextremes Verhalten und Einstellungen dar und zeigt, welche Formen rechtsextreme Weltbilder und Argumentationsweisen annehmen können.

„Zur Demokratie gibt es keine Alternative“, sagte die stellvertretende Schulleiterin Birgit Langner-Ahrens und forderte die Jugendlichen auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Politisch bedeutsame Themen wie Rentengerechtigkeit, Klimawandel und Ressourcenschwund, die die Jüngeren beträfen, gäbe es genug.

Für das Breite Bündnis gegen Rechts ergriff Jürgen Schulenberg das Wort. „Die letzten Tage haben uns vor Augen geführt, welche Entwicklungen die Dinge nehmen können“, sagte er. Vor dem Rechtsextremismus komme der Rechtspopulismus mit Botschaften, die man sich guten Glaubens zu Eigen machen könne: gegen die EU, gegen „die da oben“. Dann sei es nur noch ein Schritt zum Extremismus, der sich an der ethnischen Zugehörigkeit orientiere, und ein weiterer zur organisierten Gewalt.

„Demokratie bedeutet, dass sie von jeder Generation neu erlernt werden muss“, sagte Linda Matzke von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Friedrich Ebert, erster Reichspräsident der Weimarer Republik und Gründer der Stiftung, habe es auf die Formel gebracht „Demokratie braucht Demokraten“. Matzke dankte den Schülerinnen Kimberley Ripke, Kim-Sophie Blumhoff und Nele Rautenberg sowie den Schülern Kilian Nowotny und Arne Beiersdorf, die sich zu „Ausstellungs-Guides“ haben ausbilden lassen und Interessierte durch die Ausstellung führen.