Delmenhorst - Seit gut zwei Wochen begehen wieder Muslime in aller Welt den Fastenmonat Ramadan: Auch in Delmenhorst nehmen seit dem 16. Mai bis zum 14. Juni zahlreiche Gläubige zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang weder Essen noch Trinken zu sich. „Es gab jahrzehntelang keine Probleme im Fastenmonat in unserer Stadt. Das friedliche Miteinander wurde respektvoll ausgeübt“, äußerte sich Yavuz Özoguz, Vorsitzender des Vereins Islamischer Weg, gegenüber der NWZ.

Dieses Miteinander sieht er nun bedroht. So komme laut Özoguz „ganz offensichtlich der Islamhass einiger Delmenhorster Grundschulen zum Ausdruck“, indem sie das Fasten von Schülern unterbinden wollten. Selbst mit dem Jugendamt sei in einzelnen Fällen gedroht worden. Namen von Schulen möchte er hingegen nicht nennen, schließlich wolle er niemanden verunglimpfen.

Eine stichprobenartige Nachfrage unserer Zeitung bei einigen Delmenhorster Grundschulen bestätigte den Vorwurf nicht. „Bei uns fasten ganz viele und die dürfen das auch. Letztendlich ist das die Entscheidung der Eltern und der Kinder selbst. Von dem Vorwurf ist uns nichts bekannt“, sagt etwa Julia Fokken, Schulleiterin der Grundschule am Grünen Kamp. Vielmehr würde der Ramadan im Unterricht thematisiert, damit nichtmuslimische Kinder ein Verständnis dafür bekämen. Auch an der Grundschule Bungerhof-Hasbergen werden laut Konrektorin Sabine Halen Kinder nicht vom Fasten abgehalten. „Wir haben aber darauf hingewiesen, dass Essen und Trinken für Kinder in diesem Alter wichtig ist und dass Schüler während des Ramadans nicht pauschal vom Sportunterricht befreit werden können“, so Halen. Beschwert hätten sich Eltern aber nicht. Ähnlich sieht es in der Parkschule aus. Dort lege man den fastenden Schülern allenfalls beim Sport nahe, etwas zu trinken.

Auch der Niedersächsischen Landesschulbehörde sind laut eigenen Angaben keine Unstimmigkeiten zwischen Schulen und Eltern in Delmenhorst bekannt. „Wir empfehlen dem Verein bzw. den Erziehungsberechtigten daher, sich an unsere Behörde zu wenden, so dass wir den Beschwerden nachgehen können“, heißt es dort auf NWZ-Nachfrage. Grundsätzlich sei das Fasten während des Ramadans als Form der Religionsausübung in Schulen gestattet – solange der Bildungsauftrag der Schule und der Schulfrieden gewahrt bleiben.

Unumstritten ist das Thema „Kinder und Fasten“ jedoch nicht. So rät der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte vom Ramadan-Fasten für Kinder ab: Viele Kinder versuchten demnach, „den Erwartungen der Familie gerecht zu werden und zu fasten. Aus medizinischer Sicht ist das Fasten für Kinder und Jugendliche schädlich, insbesondere der Verzicht auf Flüssigkeit“, heißt es in einer Pressemitteilung des Verbandes. Dazu komme, dass der Schlafrhythmus der Kinder gestört werde, da nach Sonnenuntergang aufwendig gekocht und gegessen würde.

Dass die Gesundheit der Kinder im Vordergrund stehe, betont auch die Landesschulbehörde: „Die Lehrkräfte haben im Schulalltag die Gesundheit der Kinder im Blick, insbesondere die der kleineren – unabhängig davon, ob wegen der Hitze oder wegen des Ramadan“, so eine Sprecherin.