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Schulvermeidung In Delmenhorst Wenn schon die Kleinen Schule schwänzen

Delmenhorst - An insgesamt 110 Schultagen war der Junge nicht in der Schule. Mal entschuldigt, mal unentschuldigt – zudem zeigte er weitere Auffälligkeiten. Besserung stellte sich ein, nachdem die Eltern gezielt angesprochen worden waren und an einem geregelten Familienleben gearbeitet wurde. Inzwischen besucht der Grundschüler wieder regelmäßig den Unterricht.

Mit der Schulvermeidung ist er in Delmenhorst kein Einzelfall. 82 Bußgeldverfahren hat die Schulbehörde im Schuljahr 2017/18 wegen Grundschülern eingeleitet, die dem Unterricht fernbleiben – und das ist nur die Spitze des Eisberges. Denn erst nach zehn unentschuldigten Fehltagen wird ein solches Verfahren eingeleitet. Die Dunkelziffer der Schüler, die ungewöhnlich häufig entschuldigt fehlen oder bei denen in der Schule selbst Lösungen gefunden wurden, ist weitaus höher.

Verhalten verfestigt sich

„Die Gründe sind vielfältig. Wenn schon die Kleinen die Schule schwänzen, verfestigt sich dieses Verhalten – und mündet oftmals in einer Schulschwänzerkarriere“, erklärt Hero Mennebäck, Fachbereichsleiter Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur. Deshalb wurde in Delmenhorst eine Initiative auf den Weg gebracht, die sich speziell auf den Grundschulbereich fokussiert und bereits in früher Kindheit aktiv gegen das Schwänzen vorgehen soll.

„In fast allen Fällen wissen die Eltern davon, dass ihre Kinder nicht in die Schule gehen“, sagt Julia Fokken, Leiterin der Grundschule Am Grünen Kamp, die stellvertretend für die Delmenhorster Schulleiter in der Initiative aktiv ist. „Wir suchen in jedem Fall nach einer individuellen Lösung und fragen uns: Woran kann es liegen? Oft sind es familiäre Probleme, Angst vor Mobbing oder andere Sorgen, von denen die Eltern selbst nichts mitbekommen“, meint Christian Berends vom Allgemeinen Sozialen Dienst.

Aus strukturschwachen Familien

Größtenteils betreffe es Kinder, die aus strukturschwachen Familien stammen – beispielsweise Migranten. Deshalb werde meist bei den familiären Verhältnissen angesetzt, um diese zu verbessern. „Es geht auch darum, die Wichtigkeit der Schule zu unterstreichen. Gerade Kinder aus schwierigen Verhältnissen brauchen den Schulalltag, um das soziale Miteinander und die Struktur zu lernen“, sagt Fokken.

An jedem zweiten Dienstag im Monat wird zwischen 14.30 und 15.30 Uhr eine Fachberatung für Beschäftigte aus Schule und Jugendhilfe in der Grundschule Am Grünen Kamp angeboten. Anmeldungen bei Christian Berends unter t  04221/99-2530, per E-Mail an koordinierungkinderschutz@delmenhorst.de. Auch betroffene Eltern oder Verwandte können beim Allgemeinen Sozialen Dienst Rat einholen.

Arne Erik Jürgens
Arne Erik Jürgens Thementeam Polizei/Justiz
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