Delmenhorst - Ein Aufenthalt im Jugendarrest – ohne Handy für ein paar Tage oder sogar Wochen eingesperrt in einem tristen Raum. Für einige Delmenhorster Jugendliche ist das Realität. Denn wer die Schule schwänzt, muss hohe Bußgelder bezahlen. Und wer das nicht tut, muss in die Zelle. Vor zehn Jahren waren noch 207 Schüler gemeldet, die unterschiedlich intensiv nicht am Schulunterricht teilnahmen. Im vergangenen Schuljahr 2016/2017 waren es schon 766.
Wie man diese Entwicklung stoppen könnte, wurde von der Stadt Delmenhorst beim Fachtag „Schulmeidung – ein unbeliebtes Thema“ diskutiert. „Jetzt müssen wir handeln“, sagt Siegfried Dreckmann. Für die Stadt Delmenhorst beschäftigt er sich mit den Bereichen Bildung und Soziales.
Jugendliche müssen wieder gerne zur Schule gehen, nur wie schafft man das? „Wir sind uns einig, dass wir im Bereich der Pädagogik ansetzen müssen“, erklärt Siegfried Dreckmann. Hoffnungslos sei die Situation in Delmenhorst noch lange nicht, nur müsse man andere Wege finden, die Jugendlichen zu erreichen, ist sich auch Hero Mennebäck, Fachbereichsleiter für Bildung, Wissenschaft, Sport und Kultur, sicher. Empathie, Verständnis, Geduld und ein frühzeitiges Erkennen der Situation seien der Schlüssel zum Erfolg. Das habe auch der Fachtag ergeben.
„Es ist kaum ersichtlich, was ein Aufenthalt in Jugendanstalten mit jungen Menschen macht, das ist besorgniserregend“, sagt Dreckmann. Viel wichtiger sei es, pädagogisch wertvolle Maßnahmen weiter in den Vordergrund zu stellen. „Grundschülern vorlesen oder Senioren das Internet erklären, statt in einer Zelle zu sitzen. Das wäre was“, sagt der Pädagoge. Es müsse einen Schulbezug geben, der die Schwänzer wieder an dieses Lernumfeld heranführt. Die Interessen der Jugendlichen sollten einbezogen statt ignoriert werden.
„Wir wollen erreichen, dass die Schüler ihren Abschluss schaffen“, sagt Dreckmann. Viele Ideen schwirren zurzeit durch den Raum. Auch zwei Sozialarbeiter konnte man gewinnen, die helfen könnten. Finanziert wird ihre Arbeit von der NBank. „Aber der Stellenplan muss erweitert werden, so lange können sie nicht arbeiten“, sagt Hero Mennebäck.
