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NWZonline.de Region Delmenhorst

Stadtentwicklung: Park aus dem Dornröschenschlaf holen

06.07.2020

Delmenhorst   Mit dem Aufkommen der Industrialisierung entstand ein neues, wohlhabendes Bürgertum: die Fabrikanten. Die in Delmenhorst wohl wohlhabendste Familie ihrer Zeit gründete ihren Reichtum mit der Wollverarbeitung. Die Norddeutsche Wollkämmerei & Kammgarnspinnerei, wie die Nordwolle korrekt hieß, machte die Familie Lahusen zu dermaßen reichen Menschen, dass sich diese neben ihrer Repräsentationsvilla auch noch eine private Parkanlage anlegen ließen – vermutlich von niemand Geringerem als dem Architekten des Bremer Bürgerparks, Wilhelm Benque.

Andere Perspektive

Erst im Jahr 1935, da war die Familie Lahusen mit ihrer Nordwolle schon mit großem Knall Konkurs gegangen, wurde die Parkanlage auf Druck der Nationalsozialisten öffentlich zugänglich gemacht. Nach dem Krieg wurden die Tore wieder verschlossen, und erst als in den 70er-Jahren die Neue Heimat die heute weit über Delmenhorst bekannte Großwohnanlage errichten ließ, wurde der Park wieder vermehrt genutzt und mit den Wohnblocks verzahnt. Nur so schnell wie die Lebensqualität in den Wollepark-Häusern kippte, so schnell kippte auch der Ruf des Wolleparks als Landschaft: „Die meisten nutzen den Park nur als Abkürzung, wenn sie mit dem Fahrrad unterwegs sind“, sagt Erika Bernau, die Quartiersmanagerin des ganzen Areals.

Doch all das soll sich ändern: „Wir wollen den Park aus seinem Dornröschenschlaf holen“, sagt Julika Holz, die als Stadtplanerin in der Stadtverwaltung die gesamten Sanierungsarbeiten des Quartiers begleitet. Und damit sich das ganze Unterfangen auch lohnt, der Wollepark in Zukunft also wirklich als Naherholungsgebiet genutzt und nicht als Angstraum gemieden wird, spricht Anna Stumpe mit den Anwohnern und den Anliegern, also der Parkschule, dem Sprachförder-Kindergarten, dem Jugendhaus an der Sachsenstraße und anderen Akteuren. Stumpe ist seit Januar als Parkintegrationsmanagerin angestellt, soll zukünftige Nutzer nach ihren Bedürfnissen befragen und geschickt zum Nachdenken darüber anregen, was alles möglich sein könnte. „Wenn man Menschen einen Hund malen lässt, dann sieht er fast immer gleich aus, immer von der Seite gemalt. Aber man könnte auch mal die Perspektive ändern und den Hund von unten malen, dann sähe er ganz anders aus“, beschreibt Stumpe ihre Arbeit. Den Wollepark aus anderen Perspektiven betrachten, das ist das Ziel; und ein Netzwerk aufzubauen, die verschiedenen Akteure, ob Anwohner oder Erzieher im Kindergarten, zusammenbringen, um über den Park zu reden, über ihn nachzudenken und ihn am Ende mit Freude zu nutzen.

Denn Ideen gibt es einige. Die brauchte es bereits vor zwei Jahren, als beschlossen wurde, sich mit dem Park auf das Förderprogramm „Investitionspakt Soziale Integration im Quartier“ zu bewerben. So soll das Wäldchen Richtung Schwabenstraße zu einem Entdeckerwald werden, den die Parkschule und der Kindergarten naturpädagogisch erschließen wollen. „Dabei sind die Bedürfnisse ganz verschieden“, sagt Stumpe, „die Schule zielt eher auf die Tierwelt, auf das Biologische ab, der Kindergarten interessiert sich für die Bäume und Pflanzen.“ Es wäre also nur einem Teil geholfen, wenn man ein paar Schautafeln zum Baumbestand aufstellen würde. Damit möglichst alle in dem Park ein lohnendes Ziel finden können, braucht es Stumpes Netzwerkarbeit.

Im Juli vergangenen Jahres kam der niedersächsische Bau- und Umweltminister Olaf Lies nach Delmenhorst und brachte Geld mit. Rund eine halbe Million Euro erhält die Stadt aus dem Förderprogramm des Landes und muss nur zehn Prozent, also knapp 50 000 Euro, aus dem eigenen Haushalt zuschießen. Die Uferbereiche um den See in der Mitte des Parks sollen neu gemacht werden, Angsträume durch bessere Beleuchtung und stärkere Nutzung des Parks insgesamt aufgelöst werden. Mehr Nutzer in den Park ziehen soll auch eine Calisthenics-Anlage, die es in ähnlicher Form bereits in den Graftanlagen gibt. Dort kann an Geräten mit Eigengewicht trainiert werden; eine Kraftsportanlage unter freiem Himmel, die bereits so große Resonanz ausgelöst hat, dass sportbegeisterte Delmenhorster von den Plänen in immer größeren Kreisen berichten und Werbung machen.

Langer Atem notwendig

Damit die Arbeiten nachhaltig werden und der Park neben der gestalterischen Aufwertung auch einen besseren Ruf bekommt, der über die angrenzenden Siedlungen hinweg Menschen in den Park zieht, braucht es diese Art von Animation und Motivation. Vor rund 20 Jahren begann das Projekt, den Wollepark zu sanieren und aufzuwerten. Die Entwicklung hatte Hochs und Tiefs. Vom damals neu eingefassten Teich-Ufer ist heute nicht mehr viel zu sehen. Damit der Park wieder seiner historischen Bedeutung gerecht wird, braucht es einen langen Atem. Die Abrisse könnten die Suche nach einem neuen Image erleichtern.

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