DELMENHORST - Nur etwa 20 Demonstranten folgten dem Aufruf der IG Metall Oldenburg und beteiligten sich am Freitagmorgen an einer Kundgebung vor dem Autohaus Woltmann in Delmenhorst. Vor anderen Autohäusern in der Stadt, die seit 2006 nicht mehr tarifgebunden bezahlen, wurden Flugblätter und Kundeninformationen verteilt Ziel der Aktionen war es, die derzeitige Tarifsituation im niedersächsischen Kfz-Gewerbe einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen.

„Wir wollen heute darauf aufmerksam machen, dass es höchste Zeit wird, die von der Arbeitgeber-Seite zum 31. März 2008 gekündigten Tarifverträge wieder in Kraft zu setzen“, sagte Peter Anders, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Oldenburg. Darüber hinaus fordert die IG Metall in der laufenden Tarifrunde 5,5 Prozent höhere Entgelte und Ausbildungsvergütungen ab dem 1. April sowie eine Altersteilzeitregelung für die Beschäftigten.

Am Freitagnachmittag wurden in Hannover die Tarifgespräche fortgesetzt – ohne Erfolg. Die Verhandlungen brachten kein Ergebnis. Manfred Woltmann vom gleichnamigen Delmenhorster Autohaus war als Verhandlungsführer des 2005 gegründeten Kfz-Unternehmensverbandes Niedersachsen/Bremen an den Gesprächen beteiligt.

Die IG Metall fordert alle Arbeitgeber und die örtlichen Innungen auf, sich zum Flächentarifvertrag zu bekennen und zur „jahrzehntelangen bewährten sozialpartnerschaftlichen Tarifpraxis“ zurückzukehren. Seit 2006 sind nicht mehr alle Innungen beziehungsweise Autohäuser tarifgebunden, was laut Gewerkschaft zu Tarif-Dumping und zu einem „ruinösen“ Wettbewerb in der Autobranche geführt habe. „Daher haben wir am Freitagmorgen auch die Beschäftigten und Kunden anderer Delmenhorster Autohäuser informiert, da diese Autohäuser sich nicht an die neuen Tarifverträge halten“, erklärte Peter Anders.

Die IG Metall Niedersachsen/Sachsen-Anhalt verhandelt für etwa 32 000 Beschäftigte in rund 3500 Autohäusern und -werkstätten. Dazu gehören auch die Beschäftigten des Kfz-Handwerks in Delmenhorst. Die Arbeitgeber lehnen die geforderten Einkommenserhöhungen unter Verweis auf die schlechte wirtschaftliche Lage in der Branche ab. Sie fordern eine moderate Tarifrunde, damit die mittelständischen Betriebe überleben können.