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Aktualisiert vor 32 Minuten.

In Eigener Sache
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NWZonline.de Region Delmenhorst

Fast wie in einer Geisterstadt

20.09.2017

Delmenhorst Die Tür steht auf, im Hausflur liegen Papier, offene Müllsäcke und ein kaputtes Babyfon auf dem Boden, die Wände schimmeln und die Briefkästen – zum größten Teil aufgebrochen. Das ist Block 11. In Block 12 sieht es ähnlich aus. Ein junger Mann kommt die Treppe herunter. Er sagt aber, er wohnt hier nicht und geht weiter. „Hier wohnt keiner mehr“, sagt er noch in gebrochenem Deutsch.

Im April und Mai haben die Stadtwerke in den beiden Wohnblöcken 11 und 12 des Wolleparks jeweils Gas und Wasser abgestellt, weil die Vermieter Rechnungen nicht beglichen haben. Die leidtragenden sind die Bewohner. Frisches Wasser gibt es aus dem Hydranten draußen am Gehweg, wo auch mobile Toiletten stehen. Viele Mieter sind bereits ausgezogen. Aber in einigen Wohnungen brennt immer noch Licht, wird immer noch gekocht, spielen immer noch Kinder.

das ist das Problem im Wollepark

Der Wollepark ist eine Plattenbausiedlung in der Stadt Delmenhorst. In den 60er und 70er Jahren sind hier mehrstöckige Wohnblocks entstanden. Das Wohnviertel gilt als sozialer Brennpunkt.

In den Blocks 11 und 12 wohnten zunächst etwa 350 Menschen in insgesamt 80 Wohneinheiten, darunter 320 Ausländer vor allem aus Rumänien und Bulgarien. Die leiden seit Monaten unter dem Streit zwischen der Stadt und den Eigentümern.

Gas abgestellt hatten die Stadtwerke im April, weil die Eigentümer versäumt hatten, die Rechnung zu bezahlen.

Der Wasserhahn wurde dann im Mai zugedreht. Das Landgericht Oldenburg hatte für die Stadtwerke entschieden, weil die Wohnungseigentümer Schulden in Höhe von rund 200 000 Euro nicht beglichen.

Für unbewohnbar sollen die Wollepark-Wohnungen in den Blöcken elf und zwölf ab dem 1. November erklärt werden. Das teilte die Stadt den 80 Wohnungsbesitzern vergangene Woche mit.

Abgerissen wurden bereits die Wollepark-Blöcke eins bis fünf entlang der Stedinger Straße. Die Kosten dafür betragen 1,5 Millionen Euro und werden von Land und Bund sowie zu einem Drittel von der Stadt getragen.

Die Stadt bietet den rund 150 verbliebenen Mietern jetzt Unterstützung an, eine neue Bleibe zu finden.

Wieder tut sich etwas im Treppenhaus. Eine ältere Frau und ein junger Mann – vielleicht ihr Sohn – schleppen volle Plastiktüten aus einer Wohnung herunter. Wohnen sie vielleicht hier? Der Mann schüttelt den Kopf. „Meine Schwester“, sagt er auf Englisch und deutet erklärend auf die Tüten in seinen Händen. Dann laden sie die Sachen ins Auto.

Die Stadt will die Wohnblöcke ab dem 1. November für unbewohnbar erklären. „Ihre Wohnung wurde durch die Stadt Delmenhorst versiegelt. Melden Sie sich beim Sicherheitsdienst im Container“, steht in verschiedenen Sprachen auf den vielen Briefen, die an den Türen kleben. Ein Mitarbeiter von der Stadtverwaltung ist auch da. Er hat eine Frau im vierten Stockwerk auf dem Zettel. Eine neue Bleibe will er ihr anbieten, klopft mehrmals laut an die Tür. Nichts regt sich. Auch mit der NWZ will niemand sprechen.

Nur einer bleibt neugierig stehen. „Polski“, sagt der alte Mann und zuckt mit den Schultern. Das Bellen seines Pekinesen hallt durchs Haus. Es scheint dem Mann schwerzufallen, den Kopf aufrecht zu halten, doch er lächelt breit und freundlich. „Sonja“, ruft er und geht mit seinem Hund die Treppe hoch.

Im Hinterhof ein Fluss, ein Garten, quakende Enten – Eigentlich recht idyllisch, wäre da nicht der ganze Müll, der scheinbar aus dem Fester geschmissen wurde. Die Fahrräder vor der Tür sind komplett ausgeschlachtet. Eine Tür weiter – die Hausnummer zehn – blitzt der Lack der Räder. „Da wohnen wirklich noch ein paar Leute“, berichtet eine 36-jährige Mutter vom Balkon aus über die direkten Nachbarblöcke. „Ich bin froh, wenn es dort wieder geordnet zugeht.“

Die Blöcke sind verlassen wie Gespensterhäuser, ob man nun in leere oder möblierte Wohnungen schaut. Allen hier ist klar: Es muss endlich etwas passieren im Wollepark.

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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