Delmenhorst - Morgens früh aufstehen, einem geregelten Tagesablauf folgen, etwas Sinnvolles tun und sich als belastbar empfinden – all dies ist für Arbeitnehmer in der Regel Alltag. Für die sieben Teilnehmer des Projektes „injob“ sind diese Situationen Neuland.

Das Projekt, welches in Zusammenarbeit des Jobcenters mit der Anonymen Drogenberatung in Delmenhorst organisiert wird, gibt Empfängern von Arbeitslosengeld II mit Suchtproblemen die Möglichkeit, mit einem Job in den Alltag zurückzufinden und damit einen bewussten oder abstinenten Umgang mit Suchtmitteln zu erreichen.

„Innerhalb von zwei Wochen haben wir den Wasserturm neben dem Jobcenter für uns hergerichtet, sauber gemacht und die Küche aufgebaut. Zurzeit arbeiten wir an der Außenanlage im Delmenhorster Sprachheilkindergarten, dort haben wir auch gemalert“, erläutert Jürgen Witte. Er unterstützt zusammen mit Sascha Lehmann die Teilnehmer des Projektes in handwerklichen Arbeiten.

Aber nicht nur fachliche Unterstützung erhalten die sieben Teilnehmer. Die zwei Sozialpädagoginnen Nicole Meyer-Böhle und Petra Rühmann komplettieren mit Verwaltungskraft Gaby Rimpel das Team.

„Durch das Projekt geben wir Zukunftsperspektiven. Die Teilnehmer sind lange süchtig und sind nicht so fit, als dass sie einer normalen Beschäftigung nachgehen können. Es ist wie eine Treppe zum ’normalen Arbeitsleben’“, erläutert Evelyn Popp von der Drogenberatung. Erstes Ziel sei aber nicht die Wiedereingliederung, sondern die Stabilisierung der Teilnehmer. „Auf dem Weg aus der Sucht holen sich Süchtige zuerst Hilfe oder machen einen Entzug. Dann fragen sie sich aber, was sie nun den Tag lang machen sollen“, so Popp. Und Süchtige, die in ihrem Umfeld bleiben und Trübsal blasen, schaffen es meist nicht, trocken oder clean zu bleiben oder zu werden, so die Einschätzung von Sozialpädagogin Rühmann.

Mit den täglichen handwerklichen Aufgaben, bei denen ohne Druck gearbeitet wird, fühlen sich die Teilnehmer dazugehörig und erleben, dass sie anderen Menschen eine Hilfe sind. „Die Teilnehmer gestalten selber etwas sinnvolles. Sie haben die Möglichkeit, wieder anzukommen“, erläutert Marion Denkmann, die stellvertretende Geschäftsführerin des Jobcenters. So rechnet Evelyn Popp damit, dass alle zwölf Plätze bald belegt sind.

Mareike Fangmann
Mareike Fangmann Redaktion Münsterland