Delmenhorst - Florian (14) hat eine klare Meinung: „Im Büro kann ich nicht sitzen“, sagt der Hauptschüler, der nach den Ferien in die 9. Klasse kommt. „Ich will Fliesenleger werden.“ Tokessa (14), die in die 8. Hauptschulklasse kommt, weiß auch schon, was sie später einmal werden will: „Gerichtsschreiberin“. Justin (15), der demnächst die 9. Hauptschulklasse besucht, ist noch unentschlossen: „Vielleicht zur Bundeswehr“, sagt er. Wohingegen Ellaha (19), die auf ihr Fachabitur zusteuert, ein klares Ziel vor Augen hat: „Ich will Innenarchitektur studieren.“ Ellaha ist vor drei Jahren aus Afghanistan nach Delmenhorst gekommen. „Ich habe hier Deutsch, Mathe, alles Mögliche gelernt“, erzählt sie. Vor allem an ihren Sprachkenntnissen müsse sie aber noch arbeiten, sagt die junge Frau. Vor allem deswegen sei sie bei der „Summer School“.

Ellaha fällt ein bisschen aus dem Rahmen. Hauptzielgruppe der „Summer School“ sind Hauptschülerinnen und -schüler, die in der Schule besser werden müssen, wollen sie ihren Hauptschulabschluss nicht gefährden. Seit 2012 bieten die Delmenhorster Jugendhilfestiftung und der Fachdienst Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (VHS) die „Summer School“ an. Dieses Jahr beteiligt sich auch das Jobcenter an der „Summer School“ mit einem Bewerbungsmappencheck. In drei Kleingruppen haben 16 Jugendliche neun Tage lang in der VHS freiwillig die Schulbank gedrückt, um in Mathematik, Deutsch und Englisch besser zu werden. Neben dem Fachlichen ging es aber auch um Dinge wie das Bewältigen von Hausaufgaben und die Vorbereitung auf Klassenarbeiten. Nachmittags standen Betriebsbesuche und Erlebnispädagogik auf dem Stundenplan.

Viele Teilnehmer hatten dabei ausgesprochene Aha-Erlebnisse, zum Beispiel im Fach Mathematik. „Das ist ja das bekannte Horrorfach“, sagt VHS-Dozent Hans-Ulrich Glorius, der mit den Schülerinnen und Schülern Bruchrechnen, Dreisatz und Prozentrechnen übte. „Dann stellen sie plötzlich fest, ,oh, das kann ich ja doch!‘. Das ist ein Ergebnis, das man in die Schule mitnehmen kann.“

„Die haben eine Chance verdient. Und die wollen auch“, sagt Ralf Kronhardt von der Jugendhilfe-Stiftung. Im Schnitt würden die „Summer School-Absolventen ihren Notendurchschnitt um eine Note verbessern, weiß er. Die Schul-Sozialarbeiter der Jugendhilfe-Stiftung sprechen die Jugendlichen, bei denen sie das Potenzial erkennen, gezielt an. Die Absolventen erhalten zum Schluss ein Zertifikat. „Das ist gut für die Bewerbungsunterlagen“, weiß Kronhardt.