Delmenhorst - In der Stadt Delmenhorst war im vergangenen Jahr ein leichter Anstieg der Straftatenentwicklung zu verzeichnen. In 2016 wurden von der Polizeiinspektion 6641 Straftaten gezählt, 32 mehr als im Vorjahr. Von den bekannt gewordenen Straftaten wurden 4117 oder 62 Prozent aufgeklärt – ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 3,45 Prozentpunkten. Senioren über 60 Jahre, die an der 76 323 Einwohner zählenden Bevölkerung einen Anteil von 28,2 Prozent ausmachen, sind deutlich weniger von Straftaten betroffen, als es ihr Anteil an der Bevölkerung nahelegen würde. Darauf wies am Donnerstag Markus Scharf, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der Polizeiinspektion, bei der Vorstellung der 2016er Kriminalstatistik hin. Ein Ergebnis, das in krassem Gegensatz zu der von den Älteren häufig geäußerten gefühlten Bedrohung steht.

Der Anteil der nichtdeutschen Delmenhorster Bevölkerung wuchs von 9,5 Prozent in 2015 auf aktuell 11,6 Prozent an. Entsprechend stieg auch ihr Anteil an den begangenen Straftaten, die sich jedoch überwiegend in den zugewiesenen Gemeinschaftsunterkünften abspielten.

Um neun Prozent ist im vergangenen Jahr die Zahl der Rohheitsdelikte (Körperverletzung, Raub, Freiheitsberaubung) gestiegen. 878 Taten sind in 2016 polizeibekannt geworden, davon konnten aber knapp 90 Prozent aufgeklärt werden. Körperverletzungsdelikte spielten dabei mit 610 Fällen die Hauptrolle. 55 Sexualstraftaten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr im Stadtgebiet.

Die mit Abstand häufigste Straftat war auch im vergangenen Jahr der Diebstahl. 2958 Taten (2015: 2883) zählte die Polizei im vergangenen Jahr. Immerhin konnten davon fast 40 Prozent (2015: 34,4 Prozent) aufgeklärt werden.

Allein die Zahl der Fahrraddiebstähle stieg von 773 in 2015 auf 910 im vergangenen Jahr an. Der Anstieg war laut Scharf auf eine polnische Tätergruppe zurückzuführen, die „massenhaft Fahrräder geklaut“ und mit einem Klein-Lkw abtransportiert hat, um sie ins Ausland zu bringen und dort zu veräußern.

Erfreulich niedrig fiel hingegen die Anzahl der im vergangenen Jahr in der Stadt begangenen Einbruchsdiebstähle aus. Sie ist von 250 in 2015 auf 171 Taten in 2016 gesunken. Allerdings konnten davon nur 14,6 Prozent aufgeklärt werden, eine deutlich niedrigere Aufklärungsquote als in den gesamten zehn Jahren zuvor. Bei gut 37 Prozent blieb es beim Versuch. „Die Polizei ist bei diesen Taten sehr auf eine wache Nachbarschaft angewiesen“, sagte Scharf. Man solle lieber einmal zu oft zum Telefonhörer greifen und die Polizei informieren, als verdächtige Beobachtungen einfach zu ignorieren.

Gestiegen ist im vergangenen Jahr die Anzahl der polizeibekannt gewordenen Rauschgiftdelikte. In der weit überwiegenden Anzahl habe es sich dabei um Delikte mit Weichdrogen gehandelt. 320 Fälle wurden registriert, gut zehn Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei der sogenannten Häufigkeitszahl, das ist die Anzahl der bekanntgewordenen Delikte pro 100 000 Einwohner, schneidet Delmenhorst anders als manche glauben gut ab. Sie liegt in der Stadt bei 8701 und damit niedriger als zum Beispiel in Emden (8956) und Wilhelmshaven (13 255). In Durchschnitt aller niedersächsischen kreisfreien Städte liegt die Häufigkeitszahl bei 9252.